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Rundbrief Dezember 2000

Soest, 01.Dezember 2000

Liebe Freunde/innen und Unterstützer/innen von VIDA NUEVA,

Heute am ersten Advent wird es wirklich Zeit, zum Jahresende noch einmal den Freundeskreis über Vida Nueva zu informieren. Es ist lange her, dass ich Euch/Ihnen geschrieben habe, aber die Zeit dazwischen war für mich sehr kurz.
Nachdem ich in den Sommerferien selbst in Peru war und Frau Marlene Pérez und unsere kleine Schule in Lima nach dreieinhalb Jahren wiedersah, kam Frau Pérez überraschend schnell auf meine Einladung hin nach Deutschland, nämlich am 19. September. In wenigen Wochen musste ihr Aufenthalt organisiert und geplant werden, denn die Idee war, dass Frau Pérez einmal ihr Projekt an verschiedenen Stellen im Freundeskreis vorstellt und auch Behinderteneinrichtungen in Deutschland kennenlernt. Trotz der kurzen Vorbereitungszeit konnten wir ein abwechslungsreiches Programm für Frau Pérez erstellen. In zehn Wochen hat sie von Flensburg bis München weitgehend alle Helferinnen, die einmal in Vida Nueva gearbeitet haben, besucht, z.T. Vorträge in Einrichtungen oder Gemeinden/Schulen gehalten und eine Reihe von Einrichtungen aus Deutschland kennengelernt. So konnte Frau Pérez von ihrem Projekt in der VHS in Spanischkursen in Soest vorstellen, in verschiedenen Klassen meiner Schule, in der reformierten Gemeinde bei der Frauenhilfe und einem weiteren öffentlichen Abend, an der Waldorfschule und im Eine-Welt-Kreis in Nürtingen sowie an der Schule für Physiotherapeuten in Aachen. Ihre Hospitationen in Deutschland reichten von Schulen für Sprachbehinderte, geistig Behinderte, integrative Kindertagesstätten, ergotherapeutische und logopädische Praxen bis hin zu Behindertenwerkstätten und psychiatrischen Kliniken. Allen, die sich daran beteiligt haben, dies alles möglich zu machen, möchte ich einmal herzlich danken auch im Namen von Frau Pérez, die nun vor wenigen Tage nach Peru zurück geflogen ist.
Ich bin sicher, dass alle, die Frau Pérez auf ihrer Reise durch Deutschland kennengelernt haben, sich überzeugen konnten, von der wichtigen Arbeit, die Vida Nueva in Lima leistet. Leider konnte ich in meinem eigenen Umfeld feststellen, dass der Kreis der Interessierten sich weitgehend auf die beschränkte, die das Projekt schon kannten und unterstützen, bzw. auf persönliche Freunde. Nur einzelne neue Gesichter waren bei den Veranstaltungen zu sehen. Die aber, die den persönlichen Kontakt zu Frau Pérez hatten, konnten wir zu unserem Freundeskreis neu gewinnen bzw. in ihrer Unterstützung festigen.
Der Flug von Frau Pérez wurde dabei aus Mitteln der Stadt Soest finanziert. Auf Antrag hat die Stadt mir Gelder für die Reise von Frau Pérez und für die Erstellung eines Faltblattes für weitere Öffentlichkeitsarbeit nach dem Gemeindefinanzierungsgesetz zur Förderung kommunaler Projekte zur Entwicklungszusammenarbeit zugesprochen. Die weiteren Kosten hier in Deutschland haben einige aus dem Freundeskreis getragen. Somit haben wir keinerlei Spendengelder dafür genommen.
Das Faltblatt werde ich im neuen Jahr angehen, denn bisher habe ich dafür keine Zeit gefunden. Der Aufenthalt von Frau Pérez hat mich sehr in Anspruch genommen. Ich hoffe, die neuen Infoblätter mit den Spendenbescheinigungen verschicken zu können.
Für all diejenigen, die von dem Aufenthalt nichts mitbekommen haben und somit lange nichts von der Arbeit in Vida Nueva gehört haben, möchte ich noch einmal einiges berichten.
Als ich in den Sommerferien in Lima war, habe ich das Projekt dreimal besuchen können. Zum einen hat mich positiv überrascht, was sich in den letzten 3 Jahren allein äußerlich getan hat: der Garten und das Gebäude sind z.T. weiter hergerichtet, der Gemüsegarten wartete auf neue Bepflanzung, die Gebäude haben einen neuen Anstrich erhalten und das Zimmer für die Helfer/innen ist fertig und mit Internetanschluss versehen. Das Personal ist erweitert worden um eine Sprachtherapeutin und zwei neue Lehrkräfte. Insgesamt machte das Team auf mich einen harmonischen und sehr engagierten Eindruck. Beeindruckt hat mich die Elternarbeit. Einmal im Monat werden die Eltern zu einem thematischen Nachmittag eingeladen. Im Sommer konnte ich daran teilnehmen und sehen, wie ein externer Krankengymnast den Eltern durch Rollenspiele die Alltagsschwierigkeiten ihrer Kinder mit ihren verschiedenen Behinderungen deutlich machte. Ebenso schön für mich war es zu erfahren, wie gut unsere deutschen Helferinnen aufgenommen werden und wie sie sich in die Arbeit einbringen. Zwar konnte ich im Sommer Natalija und Claudia nicht persönlich kennenlernen, da sie gerade eine kleine Reise machten, aber über die peruanischen Lehrer/innen erfuhr ich von ihrer Arbeit. Durch das Internet kommunizieren auch die Helferinnen, die gerade im Zentrum sind mit denjenigen, die ihnen nachfolgen. So erhalten unsere Volontärinnen direkte Informationen aus Vida Nueva und können sich auf ihre Arbeit dort vorbereiten bzw. eine genauere Vorstellung erhalten. Die Tatsache, dass einige deutsche Besucherinnen ihren Aufenthalt verlängern zeigt auch, dass ihnen die Arbeit Spaß macht und dass sie sich in Vida Nueva wohl fühlen. Je nach Ausbildung und Schwerpunkt nehmen dabei die verschiedenen Helferinnen unterschiedliche Projekte in Angriff, und so haben in diesem Jahr einige Kinder durch Sandra einige Reittherapiestunden nehmen können. Bis zum Sommer im Jahr 2001 sind fast ununterbrochen deutsche Besucher/innen dort, danach können sich wieder Interessierte melden. Erstaunt war ich auch über das Kompostprojekt und die Erweiterung der handwerklichen Arbeiten der Kinder. Beides ist aus den Kinderschuhen herausgewachsen und sind feste und wichtige Bestandteile der Arbeit im Zentrum. Ebenso konnte ich nur mit Erstaunen dem Tanzunterricht zusehen. Auch Alda, die Tanzlehrerin ist neu im Zentrum. Mit diesem Unterricht lernen die Kinder und Jugendlichen nicht nur einen wichtigen Bestandteil ihrer eigenen Kultur kennen, sondern es macht ihnen auch riesigen Spaß und fördert enorm ihr Orientierungsvermögen.
Alles in allem haben mich die Besuche in Vida Nueva wieder davon überzeugt, dass diese Arbeit unterstützenswert ist. Leider aber sind wir nach wie vor die einzigen, die Vida Nueva finanzieren. Auch die letzten Anfragen bei der Kindernothilfe und der GTZ haben keine positiven Ergebnisse gebracht. Der hohe Dollarkurs macht dabei die Finanzierung zunehmend schwerer. Die Menschen in Vida Nueva benötigen dringend zwei neue Bäder. Im März fliegen zwei Freunde aus dem Freundeskreis hin, um diese zu installieren sofern wir die Gelder für die Materialien aufbringen können. Unser Freundeskreis hat es nun seit sieben Jahren geschafft, diese Schule zu finanzieren, die monatlichen Kosten aufzubringen und ein Grundstück zu erwerben. Ich hoffe, wir können auch weitere 7 und noch mehr Jahre so erfolgreich sein. Meine Bitte an alle ist, nicht nur dieses Zentrum mit eigenen Spenden zu unterstützen sondern auch einmal darüber nachzudenken, wo man andere Geldquellen auftun könnte. Vielleicht haben einige doch Beziehungen zu größeren Firmen oder Institutionen, die uns unterstützen könnten. Vielleicht kann jemand aus dem Freundeskreis über Öffentlichkeitsarbeit im beruflichen oder politischen Umfeld, in seiner Gemeinde oder einem Verein Interessierte finden. Unsere Spenden können steuerlich abgesetzt werden.
So, nun wünsche ich allen noch eine besinnliche Adventszeit sowie frohe und friedliche Weihnachten und alles Gute zum neuen Jahr.

Mit lieben Grüßen und vielem Dank für Eure/Ihre Treue und Unterstützung


Eure/Ihre Ute Scherberich-Rodriguez.

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