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Rundbrief November 2005

Düsseldorf, 12.November 2005

Liebe Freunde/Freundinnen und Unterstützer/innen von Vida Nueva

Einen Teil dieses Rundbriefes habe ich vor der Reise nach Peru geschrieben, genauer gesagt im Juni. Darin wollte ich Ihnen einen Einblick in die Bürokratie Perus geben und wie kompliziert und frustrierend manche Angelegenheiten in den Entwicklungsländern sein können.
Ich habe dieses Beispiel auch gewählt, damit Sie ein wenig besser verstehen können, warum ein Jahr nach dem wir ein neues Auto gekauft haben, dieses noch nicht benutzt werden konnte.
Jetzt sind diese Erläuterungen bereits etwas überholt, denn im Juli, in den 2 Wochen, die ich mich jetzt in Peru befunden habe, hatte ich mich schon wieder 100-prozentig in die Arbeit für das Centro Vida Nueva gestürzt; bereit dazu, mich unermüdlich dafür einzusetzen, nicht nach Deutschland zurückzukehren, ohne zu sehen, dass das gekaufte Auto tatsächlich unseren Kindern zur Verfügung steht.
Aber glücklicherweise hat sich eine Lösung ergeben, so dass unsere Kinder seit dem 6. Juli diesen Jahres die Möglichkeit haben Zuhause abgeholt und nach ihrer Therapie oder nachdem sie den Unterricht besucht haben, auch wieder dorthin zurückgebracht zu werden. Nicht das die gefundene Lösung kompliziert wäre, es wäre lediglich langwierig Ihnen zu schildern, wie es letztendlich zu dem Ergebnis kam. Wichtig dabei ist aber, dass jeder Euro, der für den Kauf des besagten Autos gesammelt wurde, benötigt wurde. Wir haben für das neue Auto alle verfügbaren Versicherungen (Unfall-, Diebstahl-, gegen terroristische Attentate, etc.) abgeschlossen, für peruanische Autos werden normalerweise nicht alle diese Versicherungen abgeschlossen, denn in Peru ist man nicht so vorsichtig und vorsorglich wie hier in Europa, aber wir möchten unseren Spendern die Gewissheit geben, dass wir alle Vorkehrungen getroffen haben, die den notwendigen Sicherheitsanforderungen für solch ein Fahrzeug und dem Wohl unserer Kinder, dienen. Nur um ein Beispiel zu nennen: Die Scheiben des Autos sind aus speziellem, bruchfestem Glas, so dass Diebe nur schwer die Scheiben zerstören und etwas aus dem Innern des Autos stehlen können (was in bestimmten Stadtteilen gelegentlich vorkommt).
Nun möchte ich noch auf etwas hinweisen, was ich für wichtig und notwendig erachte. Zusammen mit dem Auto sind neue Unkosten entstanden, wie z. B. der Lohn für den Fahrer, der von 7:30 Uhr morgens bis 14:00 Uhr arbeitet. Er hat dadurch zum ersten Mal in seinem Leben für sich und seine Familie eine Krankenversicherung. (Das ist auch der Grund, weswegen er sehr dankbar ist und mit viel Enthusiasmus und Freude seine Arbeit verrichtet.)
Weitere ständige Kosten, die durch das Auto verursacht werden, sind die für den Treibstoff, der, zu unserer Verwunderung, hier genauso viel kostet wie in Deutschland. Zum Beispiel kostet der Liter bleifreies Benzin 5.00 Soles das entspricht 1,40 Euros. Unglaublich, nicht wahr?
Wegen des schlechten Straßenzustandes und der schwierigen Wege, über die man sich fortbewegen muss, fährt man nur mit einer Geschwindigkeit von ca. 30 km/h. Auch weil man manchmal steile Hügel hochfahren muss um zu dem Haus eines unserer Kinder zu gelangen, bedeutet das letztendlich, man legt nur kurze Strecken zurück, verbraucht dabei aber genau soviel wie wenn man durch die ganze Stadt gefahren wäre.
Unterm Strich sind also neue Kosten entstanden, die mit Sicherheit nicht durch unseren Monatsetat abgedeckt sind. Es bleibt uns nur die Hoffnung, dass unser Förderkreis anwächst und das unsere neuen Volontäre unser Projekt und seine Bedürfnisse bekannt machen, so dass wir dieses und Folgejahre ohne finanzielles Defizit abschließen können.
Wir müssen von neuem der Gnade Gottes vertrauen und haben dabei die Gewissheit, dass Er uns helfen wird, wie Er es bisher immer getan hat; denn seit der Gründung von Centro Vida Nueva bis heute, ist uns seine Treue stets offenbart worden. Wir hatten gewiss Schwierigkeiten zu bewältigen, aber wir waren letztendlich jedes Mal erfolgreich.
Wir zitieren also mit Dankbarkeit die Worte des Propheten Samuel aus der Bibel. Als Gott den Israeliten einmal mehr half, als sie sich in argen Nöten befanden, sagte Samuel: “Eben-ezer” was soviel heißt wie “Bis hierher hat der Herr uns geholfen”, womit er die Güte Gottes in der Vergangenheit wie auch in der Gegenwart würdigte.
Jederzeit und bei jeder Gelegenheit erkennen auch wir seine Gnade und sein Erbarmen mit uns.

Und nun, auch wenn ich offensichtlich abrupt das Thema wechsele, worauf es mir ankommt, ist, dass sie an dem folgenden Beispiel (über die bürokratischen Probleme in Peru) ersehen, dass man nicht nur mit Geld gewisse Schwierigkeiten lösen kann, sondern man benötigt auch viel Geduld, Entschlossenheit, Vertrauen und Optimis-mus, um mit einem Projekt, wie dem unseren, weiterzumachen.
Die peruanische Regierung und ihre Bürokratie: Ich werde Ihnen nur ein Beispiel geben für die Hindernisse mit denen wir uns jedes Mal auseinander setzen müssen, wenn ein deutscher Volontär mehr als 60 oder 90 Tage in Peru bleiben möchte (mit diesem Beispiel beabsichtige ich auch, die Gelegenheit zu nutzen um ein für alle Mal unseren zukünftigen Volontären etwas über ihren Aufenthalt in unserem Projekt und die Unterschiede die in Peru zwischen einem Touristen- und einem Arbeitsvisum bestehen, zu erläutern) ...

Viele Volontäre möchten mehr als 60 oder 90 Tage in Peru bleiben, weshalb sie mich fragen, ob dies möglich ist, ohne Peru verlassen zu müssen, die Grenze zu überqueren und erneut mit einem neuen Visum von 30 oder 60 Tagen einzureisen. Und ich sage ihnen, dass dies prinzipiell möglich ist, da unsere Einrichtung die Berechtigung der peruanischen Regierung hat, Hilfe von Spezialisten oder Professionellen aus dem Ausland zu erhalten. Das Problem ist, dass unsere Regierung bestimmte Bedingungen stellt, die sehr schwierig oder unmöglich zu erfüllen bzw. nur mit einem sehr hohen zeitlichen wie finanziellen Aufwand möglich sind:

1. Die Person, die in unserem Projekt arbeiten möchte, muss von uns und unserem Projekt Vida Nueva ein “offizielles Arbeitsangebot” erhalten. Noch in Deutschland muss sie dieses Dokument von uns erhalten.

2. Dann muss diese Person mit unserem Arbeitsangebot zur peruanischen Botschaft in Deutschland (das kann in Frankfurt oder in Hamburg sein) gehen, um dort ein Arbeitsvisum zu bekommen.

3. Anschließend muss diese Person bei der deutschen Regierung ein polizeiliches Führungszeugnis beantragen, welches bestätigt, dass sie keinerlei Vorstrafen hat. Weder in Deutschland, noch in Peru ist dieses Dokument gratis. Es muss von einem offiziellen Übersetzer in Peru ins Spanische übersetzt werden.

4. Ist diese Person dann später in Peru, muss sie der peruanischen Regierung ihre Studien- bzw. Ausbildungs-zeugnisse mit ihren Noten, Diplomen und Arbeitsbestätigungen etc. vorlegen. Alle diese Dokumente müssen ebenfalls von einem offiziellen Übersetzer in Peru vom Deutschen ins Spanische übersetzt werden.

5. Alle Dokumente, die unsere Regierung fordert, müssen als Original und als Kopie mitgebracht werden und in Peru von einem Notar beglaubigt werden (um sicher sein zu können, dass die Kopien mit den Originalen übereinstimmen).

6. Die gesamten zuvor genannten Dokumente (Arbeitsangebot, polizeiliches Führungszeugnis, Studien- bzw. Ausbildungszeugnisse, Diplome, Arbeitsbestätigungen etc.) müssen dem Außenministerium in Lima vorgelegt werden.
Für die erneute Beglaubigung der nun ins Spanische übersetzten Dokumente müssen pro Dokument 18 U$ bezahlt werden. An dieser Stelle muss ich etwas sehr Wichtiges erklären: Eine Seite von nur 25 Zeilen, die einmalig von einem offiziellen Übersetzer vom Deutschen ins Spanische übersetzt wird, kostet in Peru
25 U$. Obwohl es unglaubwürdig klingt, ist eine Übersetzung in Deutschland billiger als in Peru.

7. Mit allen diesen bereits übersetzten und beglaubigten Dokumenten stellt man sich nun dem Ministerium für Arbeit in Lima vor, wo verlangt wird, dass man in unserem Projekt mindestens ein Jahr und höchstens 3 Jahre arbeitet. Folglich empfehle ich einem zukünftigen Volontär, lediglich ein Touristenvisum zu beantragen, um in Vida Nueva arbeiten zu können, anstatt sich ein Arbeitsvisum zu beschaffen. Für den Fall, dass man länger als 60 oder 90 Tage bleiben möchte, rate ich, Bolivien oder Chile oder irgendein anderes Nachbarland zu besuchen. Ebenso ist es möglich, für jeden Monat der Verlängerung des Aufenthaltes in Peru 20 Dollar zu bezahlen. Folglich sind diese Alternativen einfacher und billiger als ein Arbeitsvisum zu beantragen. Zu guter Letzt lässt sich sagen, dass ein Arbeitsvisum, was einem einen Aufenthalt von 1 oder 3 Jahren erlaubt, annähernd 1.000 Euro kostet und bestimmt 2 oder 3 Monate dauert, bis die ganze Dokumentation abgeschlossen ist. Man muss wissen, dass kein Dokument am gleichen Tag fertig bearbeitet ist, obwohl man 18 oder 25 Dollar für ein einziges Papier bezahlt. Es wird niemals fertig sein, wenn es wirklich gebraucht wird.
So kompliziert sind die Dinge in Peru. Und das, obwohl wir die Berechtigung von der Regierung haben, professionelle Unterstützung von einem Entwicklungshelferland zu erhalten. Doch das nutzt uns nicht viel, da unsere Volontäre uns meist nur für ca. 3 oder 4 Monate unterstützen. Die übrige Zeit reisen sie gewöhnlich, bevor sie nach Deutschland zurückkehren. Letztendlich sieht es überall ähnlich aus. Die Bürokratie legt einem überall Hindernisse in den Weg: bei der Adoption eines Babys, um einen Container mit Kleidung oder orthopädischen Hilfsmitteln zu bekommen, oder, damit jemand in einem sozialen Projekt wie dem unseren arbeiten kann. Nach den 12 Jahren, die unser Projekt jetzt alt ist, kann ich sagen, dass ich alle diese Hindernisse nur zu gut kenne ...

Aus diesem Grund habe ich darauf geachtet meine Kräfte aufzutanken, bevor ich im Juni dieses Jahres nach Peru gereist bin, um alle Hindernisse der peruanischen Regierung legal und korrekt zu überwinden.
Gott sei Dank, wie ich zu Beginn dieses Briefes bereits erwähnte, ist dieses alles schon Geschichte, das neue Auto von Vida Nueva steht unseren Kindern bereits zur Verfügung. Kinder wie Sandra Vitor, Renzo, Flor, und andere die aufgrund ihrer Zerebralparese oder weil sie kein Geld für die Busfahrkarte haben, müssten sonst zu Hause bleiben ohne die Möglichkeit zu haben ihre Umgebung anzuschauen, manchmal etwas die Sonne zu genießen oder einfach andere Gesichter zu sehen, verschiedene Laute zu hören, den Wind zu spüren oder den aufgewirbelten Staub der Straße, wenn ein anderes Auto vorbei fährt, die Gerüche der Gerichte aufzunehmen, die auf der Straße verkauft werden, usw.. Jetzt ist dies alles möglich, genauso wie es möglich ist seine Therapie, sei es Physio- oder Sprachtherapie, im Zentrum Vida Nueva zu erhalten oder den Unterricht zusammen mit anderen Kindern zu besuchen. Im Namen aller Kinder, die jetzt ein Auto und einen Chauffeur haben, der sie fährt, möchte ich Gott und jedem von Ihnen danken, die dieses möglich gemacht haben.

Es mangelte an Platz und Zeit, um in diesem Brief alle Gründe aufzuzählen, weswegen wir dankbar und sehr zufrieden sind, hier nur ein Punkt: Im Jahr 2005 haben zwei unserer Volontäre eine Finanzhilfe der deutschen Regierung (von der “InWEnt” – Internationale Weiterbildung und Entwicklung) erhalten, um die Kosten für den Flug nach Peru sowie ihre Aufenthaltszeit in unserem Projekt, zu decken.
Dieses Jahr haben wir etwa 40 Anträge erhalten, von Personen, die als Volontäre für Vida Nueva im Jahr 2006 arbeiten möchten. Natürlich wird es nicht möglich sein alle die kommen wollen anzunehmen, aber die Hauptsache ist, wir können mit jedem Mal mehr auf die professionelle Hilfe von Physiotherapeuten und auch einigen Ergotherapeuten zählen, die sich als Volontäre für uns zur Verfügung stellen.

Ich beende diesen Rundbrief mit den Worten des Weisen Salomo aus der Bibel (Sprüche 14,21): “… wohl dem, der sich der Darbenden erbarmt!”

Vielen lieben und herzlichen Dank an alle! Sie sind und werden immer in unseren Herzen sein.!!


Ihre Marlene Pérez Brockert

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P.S.: Frau Ingrid Schäffeler und Frau Julia Heiduck haben uns ihre Berichte zugesandt, die ab sofot unter "Aktuelles / Berichte" zu lesen sind.
Vielen Dank!

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