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Rundbriefe

Rundbrief Januar 2010

Düsseldorf, 02.Februar 2011

Liebe Freunde/Freundinnen und Unterstützer/innen von VIDA NUEVA

In diesem Rundbrief möchte ich Euch / Ihnen von einem typischen Tag im Centro erzählen, wie ich ihn bei meinem letzten Aufenthalt im Oktober/November 2010 in Peru erlebt habe.


Ein Tag im Zentrum

In den letzten 7 Jahren, seit ich hier in Deutschland lebe, habe ich in den Rundbriefen stets die wichtigsten Geschehnisse zusammengefasst, die sich in der Zeit meines Aufenthalts im Zentrum VIDA NUEVA ereigneten. Doch diesmal möchte ich Sie einladen, mich in Gedanken nach Lima und ins “Centro VIDA NUEVA” zu begleiten zusammen an der Seite meines kleinen Sohnes Joshua. Wir werden dort einen normalen Tag erleben. Es ist der 27. Oktober 2010:

6.00 Uhr: Wir starten von Surco nach Santa Clara, wo sich das Zentrum VIDA NUEVA befindet. Meine Schwester Marcela fährt das Auto. Ich spüre fast eine Panik, als wir uns durch das Verkehrschaos schieben und ich die unzivilisierte Fahrweise der Autofahrer sehe, dazu die vielen Baustellen, die dafür verantwortlich sind, dass man für eine Distanz von 20km geschlagene zwei Stunden benötigt.

6.15 Uhr: Wir müssen kurz anhalten, um die Elektroningenieurin Sra. Olga Montes aufzugabeln. Sie zeichnet die Pläne für die Elektroanlagen der zukünftigen Behinderten-Holzwerkstatt in unserem Zentrum und kann nur morgens vor ihrer Arbeit für uns ehrenamtlich tätig sein. Deshalb müssen wir sie schon früh abholen.

7.30 Uhr: Wir erreichen VIDA NUEVA. Marcela regelt die Angelegenheiten mit der Elektroingenieurin. Sie sprechen die gleiche Sprache, denn auch meine Schwester ist Ingenieurin, genauer Bauingenieurin. Ich kann nur von weitem etwas aus ihrem Gespräch aufschnappen über PS-Zahl der Maschinen, Starkstrominstallationen etc. Ich muss mich um meine Arbeit kümmern und Joshua helfen seinen Schlafanzug auszuziehen, sich zu waschen, anzukleiden und zu frühstücken. Das alles macht er erst in VIDA NUEVA, sonst hätten wir zu Hause um 5 Uhr aufstehen müssen.

7.45 Uhr: Die Schüler von VIDA NUEVA treffen nach und nach ein. Einige kommen zu Fuß, andere in ihren Rollstühlen, manche werden von Eltern oder anderen Angehörigen ins Zentrum getragen, und die meisten kommen mit einem “Mototaxi”. Dies ist ein Motorrad, das hinten zwei Räder hat, über die eine gepolsterte Bank gelegt ist. Dank einer geringen Metallkonstruktion, die nicht sehr schwer und stabil ist, sehen sie aus wie Autos. Für mich aber sind sie nur Zelte auf Rädern, die man ausschließlich in den Armenvierteln findet, wo sie die normalen Taxen ersetzen, die man in Santa Clara nie zu sehen bekommt.

8.00 Uhr: Joshua möchte in eine Klasse gehen, aber nicht zu den gleichaltrigen Kindern sondern zu den älteren. So hat er das Gefühl ein Schulkind zu sein, was ihn sehr stolz macht. Zum Glück nimmt ihn eine Lehrerin mit, die bei den Älteren unterrichtet und bereitet ihm ein kleines Heft mit Aufgaben vor, die er gerne bearbeitet.

9.00 Uhr: Eine Klasse möchte heute den Supermarkt besuchen, der nur 300m entfernt ist. Da sich die zweite Begleitung für die insgesamt 12 Kinder krank gemeldet hat, biete ich an, zusammen mit Joshua mitzugehen. Obwohl wir nun schon seit 10 Tagen ins Zentrum kommen, fühlt sich Joshua ohne mich unwohl und unsicher in VIDA NUEVA, umgeben von ihm fremden Menschen.

9.30 Uhr: Wir haben 30 Minuten für den Weg zum Supermarkt benötigt. Alle sind zu Fuß gegangen. Wir haben versucht, in einer Reihe zu gehen, was mit den Schülern sehr schwierig ist: Einige gehen aufgrund ihrer motorischen Probleme ganz langsam, andere zum Teil hyperaktive Kinder, rennen stets vor, ohne jedoch eine klare Richtung einzuhalten.
Der Besuch des Supermarktes ist dann für die Kinder ein Erlebnis: sie lernen alle Abteilungen kennen und dürfen die Waren nicht nur anschauen und deren Namen lernen, sondern sie können auch so manches erriechen, probieren, erschmecken und ertasten. Das sind für sie ganz wichtige Grunderfahrungen und Lernangebote.

11.00 Uhr: Wir sind zurück im Zentrum. Annika Schulte, eine Volontärin, lädt uns mit ihrer Klasse zu einem gesunden Frühstück ein. Zwei- bis dreimal in der Woche backt die Vorpraxisstufe Brot oder Kuchen, bereitet Frühstück vor oder macht Plätzchen und verkauft dies an die Lehrer/innen. Manchmal stellen sie auch Torten auf Bestellung für Menschen außerhalb des Zentrums her. Damit lernen die Schüler/innen nicht nur das Kochen und Backen, sondern erhalten auch die Möglichkeit, ihre Produkte zu verkaufen und den Umgang mit Geld zu lernen, zu rechnen u.V.m.

12.00 Uhr: Es ist Zeit, einige Anrufe zu tätigen:

- Wir möchten einen elektrischen Zaun um das Gebäude ziehen, um Einbrecher abzuwehren. Da die Preise so hoch sind, lohnt es, bei verschiedenen Firmen Angebote einzuholen.

- Ich muss erneut bei der Versicherung anrufen. Wir möchten eine Diebstahlversicherung abschließen und eine Art Hausratversicherung gegen verschiedene Risiken.

- Vor einigen Monaten fragten wir bei einer Firma nach dem Preis einer Stechuhr. Inzwischen hat sich der Preis von 290 auf 330 US-Dollar erhöht, obwohl der Verkäufer versprach, dass der Preis für eine soziale Einrichtung wie der unsrigen gleich bleiben würde. Der Verkäufer arbeitet inzwischen nicht mehr bei dieser Firma und wir müssen insistieren, damit wir die Uhr für den alten Preis erhalten.

- Ich muss die Universität anrufen, um einen Termin mit dem Dekan der Fakultät für Erziehungswissenschaften zu erhalten. Ich habe eine Empfehlung von einem alten Freund, der inzwischen der Präsident von OMPD (Organización Mundial de Personas Discapacitadas: Weltorganisation der Menschen mit Behinderung) ist und somit die Hoffnung, bald einen Termin zu erhalten. Vielleicht kann der Dekan mir einen Lehrer für die neue Holzwerkstatt und Schreinerei empfehlen, denn bisher haben wir noch niemanden gefunden, der unseren Vorstellungen im Umgang mit unseren Jugendlichen entspricht.

13.00 Uhr: Unglaublich, mein gesundes Frühstück kam zehn Minuten nach meiner Bestellung, aber ich habe es ganz vergessen. Und nun ist es Zeit zum Mittagessen. Zum Glück hat Joshua hier gefrühstückt, bevor er in die Klasse ging. Er vergisst nie seinen gekochten Mais und den Käse dazu. Für ihn ist der Mais aus Peru überhaupt der beste der Welt. Wie auch immer, ein peruanischer Mais mit einer Portion Käse kann dich so satt machen wie ein komplettes Mittagessen.

13.30 Uhr: Mir ist keine Zeit geblieben, um in die Klassen zu gehen oder Fotos von den Schülern zu machen. Nur im Supermarkt habe ich fotografiert. Ich wäre gerne in die Ergotherapie gegangen und hätte Fotos von Cosima Hummel und Annika Schulte gemacht, aber ich habe die Zeit verpasst.

Eine Mutter möchte mit mir sprechen und ich muss sie heute empfangen. Seit einer Woche versucht sie, mit mir ein Gespräch zu führen, aber ich habe bis heute keine freie Minute dafür gehabt.

Nun erfahre ich, weshalb sie mich aufsucht…

Sie hat die Fortschritte unseres Anbaus für die Holzwerkstatt gesehen. Sie selber hat eine Ausbildung als Schneiderin und möchte, dass wir auch ein Projekt einrichten, in dem sie das Erstellen von Schnittmustern und Nähen von Bekleidung unterrichten kann, also eine Art Konfektionswerkstatt, denn sie ist ohne Arbeit.

Ich erkläre ihr, wie wir an die Finanzierung der Holzwerkstatt gekommen sind, dass es nach 17 Jahren erstmalig so ist, dass eine Stiftung uns in diesem Umfang unterstützt. Eine Stunde lang erläutere ich ihr, wie schwer es ist, in Deutschland und Europa an Spendengelder zu kommen, dass die Organisationen nicht die Projekte auf der Straße suchen, dass es viel Aufwand, Risiko und Verantwortung verlangt, ein Projekt zu finanzieren und man strikte Auflagen beachten muss. Nach all meinen Erklärungen bleibt allerdings das Gefühl, dass diese Mutter wie auch andere Personen glauben, dass in Europa das Geld auf der Straße liegt.

14.30 Uhr: Glücklicherweise erhalte ich einen Termin bei dem Dekan der Universität. Ich bin noch nie in dieser Universität gewesen. Man sagt mir, dass ich nicht mit einem Auto dorthin gelange, da man eine kleine Brücke überqueren müsse. Ich solle ein Mototaxi nehmen. Da ich Joshua mitnehmen muss und nicht zurücklassen kann, habe ich ein Problem. Ich habe Dieter, meinem Mann, versprochen, Joshua in Lima immer nur im Auto in seinem Kindersitz zu transportieren. Dies ist in diesem Fall nicht möglich, und ich muss mein Versprechen leider brechen.

18.00 Uhr: Wir haben die Fahrt zur Uni und zurück heile überstanden. Joshua war glücklich, einmal mit dem Mototaxi fahren zu dürfen, seine Augen glänzten so, als würden wir in Deutschland das Eisenbahnmuseum besuchen. Und alle Mototaxifahrer wollten den kleinen “gringo” oder “colorado” (Ausländer oder Hellhäutigen) chauffieren.

Das Treffen mit dem Dekan war ein voller Erfolg. Es ist unglaublich, wie sich die Türen öffnen, wenn man bestimmte Leute kennt. Der Dekan weiß eine Person, die genau unseren Vorstellungen und Bedürfnissen für die Werkstatt entspricht und sich in den nächsten Tagen bewerben und bei uns vorstellen wird. Dann werden wir sehen, ob alles gelingt.

19.00 Uhr: Es ist wohl besser, wenn wir hier in Santa Clara zu Abend essen, in einem kleinen Restaurant. Bis wir zu Hause in Surco ankommen, ist es spät und nicht nur Joshua sehr müde. Wenn wir Glück haben, dauert die Rückfahrt nicht länger als eine Stunde und Joshua, Marcela und ich werden froh sein, wenn wir zu Hause ankommen. Dort warten die Tochter und der Mann meiner Schwester schon.

Vielleicht haben Sie nun eine Vorstellung über unsere Arbeit und meine Aufgaben im Zentrum erhalten. Inzwischen haben wir den Schreinermeister eingestellt. Er hat mit uns die nötigen Maschinen gekauft und die Werkstatt eingerichtet. Bei den ersten Kontakten mit den Jugendlichen aus dem Zentrum konnten wir uns überzeugen, dass er genau für unsere Schüler der richtige Lehrmeister ist. Somit läuft im Zentrum erst einmal alles gut und geordnet.
Meine und unsere nächste Aufgabe wird nun sein, das Vereinsleben zu aktivieren. Die Spenden der “Schmitz Stiftungen” sind gebunden an das Werkstattprojekt. Die anderen Kosten müssen wir nach wie vor aus unseren Spendengeldern des Freundeskreises zahlen. Hier sind die Spenden leider etwas rückläufig gewesen und wir befürchten, dass wir mit dem Kontowechsel noch einige weitere verlieren, die die Umstellung nutzen werden, die Spenden zu stornieren. Wir freuen uns also sehr, wenn Sie uns auch weiterhin treu bleiben. Über unsere Arbeit können Sie sich zudem immer über unsere Homepage informieren. Dort finden Sie bald Bilder zum Bau und der Einrichtung unserer Holzwerkstatt.
Wir bedanken uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Johanna Wagner und Christine Golz für die Erstellung der Kalender. Leider sind diese nicht so nachgefragt gewesen, wie wir es erwünscht und gehofft haben. Es war aber einen Versuch wert. All denen, die uns mit dem Kauf der Kalender unterstützt haben, danken wir noch einmal ganz herzlich. (und wer noch einen verspätet möchte, kann ihn für den Selbstkostenpreis von 5,50 Euro noch bestellen).

Wir vertrauen weiter auf Ihre Hilfe und darauf, dass die Informationen über das “Centro VIDA NUEVA”, Sie zufrieden stellen. Die großen Fortschritte und Erfolge der letzten Jahre waren nur durch Ihre kontinuierliche Unterstützung möglich. Vielen lieben und herzlichen Dank an alle! Sie sind und werden immer in unseren Herzen sein!!

Mit herzlichen Grüßen

Marlene Pérez Alvarez
Ute Scherberich-Rodríguez


Spendenkonto:

Hilfe für VIDA NUEVA e.V.
Stadtsparkasse Düsseldorf
Bankleitzahl : 300 501 10
Konto-Nr. : 100 542 22 49

Kennwort : VIDA NUEVA

Spenden- und/oder Patenschaftsanträge
Der von uns eingerichtete Service zur Vereinfachung von Spendeneinzahlungen bleibt natürlich erhalten. Sie können auch zukünftig die Spenden- und/oder Patenschaftsanträge von unserer Homepage herunter laden (oder bei Frau Pérez Alvarez per Email oder Post anfordern), ausfüllen, unterschreiben und an unsere Kontaktadresse per Post senden.
Somit wird ihre Spende ganz unbürokratisch von ihrem Konto abgebucht, und ihnen der Gang zur Bank erspart.
Des Weiteren erhalten Paten nicht nur unsere Rundbriefe, sondern darüber hinaus regelmäßige Berichte und Informationen nebst Fotos von Ihrem Patenkind und können so immer mehr von ihm erfahren, von dessen Lebensumständen, Fortschritte und Entwicklungen und vieles mehr.

Sollten sie jedoch weiterhin den herkömmlichen Weg bevorzugen, bitte bei der Spendenausstellung / Überweisung Ihre Adresse angeben bzw. uns zusenden oder mailen, damit die Spendenbescheinigung an Ihre aktuelle Adresse gesendet werden kann.

Hinweis für die Zuwendungsbescheinigungen 2010:
Die Zustellungen der Zuwendungsbescheinigungen (für Spenden in 2010) werden voraussichtlich im Februar 2011 erfolgen.


Wenn sie (auch) zukünftig aktuelle “Neuigkeiten” per Email erhalten möchten, senden sie uns einfach eine Mail mit dem Stichwort “Newsletter”.

NEUE Kontaktadresse (gültig ab 01.10.2010):
Marlene Pérez Alvarez
Benderstr. 65
40625 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 98 55 905

Rundbrief zum Download: << Rundbrief Januar 2011 >>

Homepage : < www.VIDA-NUEVA.de >
Email-Adresse : < newlife@VIDA-NUEVA.de >

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