Vida Nueva Logo

Aktuelles

Rundbriefe

Sonder-Rundbrief November 2012

Düsseldorf, 25.November 2012

Liebe Freunde/Freundinnen und Unterstützer/innen von VIDA NUEVA

14 Jahre habe ich unser Zentrum Vida Nueva nicht mehr gesehen, nun bin ich auf dem Weg dorthin mit einem Fotografen unserer Heimatzeitung. Dieter Tuschen lernte ich bei einem Praktikum in der Redaktion kennen und erfuhr, dass er im Verein “Herz und mehr” mit einer Spendenzeitung und viel persönlichem Engagement Projekte in aller Welt unterstützt. Und so wurde auch im letzten Jahr Vida Nueva in einem großen Bericht in dieser Zeitung vorgestellt, was uns Spenden von insgesamt 10.000 Euro einbrachte.
Nun sind wir also unterwegs, um uns vor Ort im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild zu machen. Der Frühling will in der Stadt noch nicht so richtig Einzug halten. Als wir jedoch nach St. Clara kommen, 30 km vom Zentrum Limas ins Inland entfernt, bricht die Sonne durch und wohlige Wärme spüren wir erstmals seit unserer Ankunft in Lima.
Es hat sich viel verändert, Lima ist “aufgeräumt” worden: keine Straßenhändler, bepflanzte Seiten- und Mittelstreifen. Und in St. Clara haben sich Geschäfte und Firmen niedergelassen. Ungebrochen ist jedoch der Höllenverkehr, 9 Millionen Einwohner bewegen sich ohne U- und S-Bahn nur mit Hilfe des Automobilverkehrs. Auf unserer fast einstündigen Fahrt erleben wir, dass nur die Hupe und das Recht des Stärkeren regieren. Mit zwei großen Koffern, die Kinderrollatoren enthalten und vier Personen auf der Rückbank gewöhnen wir uns schnell an die Art der Fortbewegung für die nächsten zwei Wochen: eng, ungefilterte Abgase in die Nase ziehend und die Federung der Sitze im Allerwertesten bei jedem Schlagloch spürend.
In St. Clara sind inzwischen die Hauptstraßen geteert, Sandwege aber kennzeichnen die meisten der Nebenstraßen wie eh und je. Die Bebauung an den Hügeln entlang ist wild und grau, inzwischen sind die Häuser oft aus Stein und nicht mehr aus Pappe und Holz. Trist und arm ist es nach wie vor. Mototaxis düsen durch die Straßen und drohen in jeder Kurve umzustürzen. Es ist das “Nahtransportmittel” Nr.1 in diesem Viertel geworden. Ich frage mich auf dem langen Weg immer wieder, wie Menschen in diesem Gewusel, in der grauen Tristes des ewigen unbeherrschbaren Staubes leben können. Und wo ist eigentlich Platz für die Kinder? Ich sehe keinen.
Als wir von der Carretera central Richtung Zentrum abbiegen, erkenne ich die Gegend kaum: ein riesiger Supermarkt steht an der Ecke. Der Wasserturm, an dem wir aber zuletzt noch einmal einbiegen müssen, ist mir vertraut. Und 300 Meter weiter sehe ich die weiße Mauer, über die rote Bougainvillea über dem Schild “Vida Nueva” ranken. Und es ist, als kehre ich heim.
Marcela öffnet uns strahlend und mit dickem Bauch. Sie ist hoch schwanger. Wir treten durch die Tür und haben das Gefühl, in eine kleine Oase zu treten. Es ist ruhig, der Lärm der Straße scheint wie ausgesperrt. Der grüne Rasen mit dem großen Avocadobaum, die kleinen Blumenbeete ringsherum und der Gemüsegarten in der Ecke geben ein Gefühl einer liebevollen “Zufluchtsstätte”.
Aus einem Klassenraum schallen Cajones (Trommelkisten), die eine Panflöte rhythmisch begleiten. Cristian Esteban gibt gerade Musikunterricht in einer Klasse. Aus dem Anbau über den sanitären Anlagen strömt süßer Backwarenduft in unsere Nase. Heute ist Henry Villafani im Haus. Er ist Bäcker und produziert einmal in der Woche mit einer Gruppe der Werkstattklasse kleine Brötchen und Muffins. Ein Restaurant gegenüber und die Eltern sind dankbare Abnehmer.

Wir gehen in die “neue” Bäckerei, die in den ehemaligen Räumlichkeiten der Volontäre eingerichtet wurde, da die Küche gesperrt werden musste. 10 flinke Hände rollen hier Teigkugeln. Mit Handschuhen und Haube sehen die Kids ganz professionell aus, entsprechend schmecken ihre Teigwaren. Stolz laden sie uns ein zu probieren. In Plastikfolien verpackt und mit Etiketten versehen, gehen die Küchlein in den Verkauf. Der große Pizzaofen wurde von einer Spendensammlung eines ehemaligen Volontärs, Sandro Castillano angeschafft, der große Alutisch von Spenden der reformierten Gemeinde in Soest.
Unser Rundgang geht weiter in die Holzwerkstatt: Mit professionellen Maschinen konnte der Schreiner Richard Palomino die Türen und Fenster herstellen, in einem Raum warten kaputte Stühle und Tische auf die Reparatur. Eine kleine Gruppe Jugendlicher schleift gerade an Holzgrifflingen. Kleine Aufträge gehen auch hier in den Verkauf.

Dann treffe ich Vicky wieder: sie kenne ich seit 20 Jahren, sie ist die älteste Mitarbeiterin im Zentrum. Als erfahrene Psychologin bereitet sie die kleinen Kinder in der Vorstufe auf den Gruppenunterricht vor.
An diesem ersten Tag fahren wir noch anschließend zu Renzo nach Hause. Er liegt in seinem Rollstuhl in einer “Halle”, in der die Familie sich zwischen Mototaxis und Stapeln von Plastikstühlen eine Art “Wohnzimmer” eingerichtet hat. Die Stühle werden vermietet, wie auch die “Halle” als Garage für die “Dreiräder”, eine Einnahmequelle für die Familie. Renzo und seine Schwestern wurden von den Eltern bei der Tante zurückgelassen, die sich neben diesen 4 Waisen noch um zwei eigene Kinder kümmert. Renzos Rollstuhl ist kaputt, er ist nicht mehr fahrbar, sodass die Tante ihn auf dem Rücken ins Zentrum trägt. Ich bin erstaunt, wie liebevoll bei aller Armut Renzo und seine Geschwister von der Familie aufgenommen werden. Mit den Spenden von “Herz und mehr” hilft das Zentrum der Familie finanziell, kauft die teuren Windeln und Medikamente.
Ein weiterer Besuch geht in das Restaurant “bei Walter”-es liegt gleich um die Ecke unserer Einrichtung. Hier machen einige Jugendliche ein Praktikum, helfen bei der Vorbereitung wie Tisch decken, Reinigen u.a. Giovanni wurde nach seinem Praktikum im letzten Jahr sogar übernommen und arbeitet als fest Angestellter in der Küche und im Service. Die Aufnahme beim Personal und den Gästen ist herzlich, hier zeigt sich gelebte Inklusion auf pragmatischem Wege.
Bei unseren weiteren Besuchen erleben wir ein kleines Fest zum Tag der Inklusion, wir sehen uns die Küche an, die aus Lehm gebaut Risse im Mauerwerk hat und deren Decke einstürzt. Marcela zeigt uns einen Plan über eine mögliche Neukonstruktion mit Ladenverkauf. Wir besuchen die Mutter von Juan Carlos, die wegen ihrer degenerativen Erkrankung im Zentrum Krankengymnastik erhält. Der Besuch in ihrer Hütte schockt uns.
Mit fünf Zeitungsberichten können wir die Menschen in und um Lippstadt über das Zentrum informieren. Dieter Tuschen -wie auch ich- ist begeistert über die engagierte und herzliche Arbeit aller Beteiligten. Wir sehen, was alles gewachsen ist, aber auch, was noch dringend zu tun ist: die Küche muss neu gebaut werden, hier könnte eine kleine Bäckerei entstehen, die einen Verkauf auch für die Bewohner des Viertels ermöglicht. Renzo benötigt einen neuen Rollstuhl, die Arbeit der Therapeuten und Lehrer muss gesichert bleiben: das alles ist eine wirklich finanzielle Herausforderung für uns. Dieter Tuschen hat viele Ideen und ein großes und herzliches Engagement, wofür ich ihm hier sehr danke. Auch Herrn Felder, dem Kreisredakteur unserer Zeitung “Der Patriot” danke ich, dass er uns die umfangreiche Berichterstattung ermöglicht hat.
Im nächsten Rundbrief um Weihnachten herum berichten wir, welche Möglichkeiten es für die Freunde und Unterstützer gibt, uns in der Arbeit zu helfen. Über jede finanzielle Unterstützung sind wir weiterhin dankbar. Sie ist für die Fortführung der Arbeit dringend nötig, und guten Gewissens kann ich sagen: jeder Cent kommt an – an der richtigen Stelle.
Unseren Freunden und Unterstützern an dieser Stelle auch ein Dank für die Hilfe und Solidarität

Eure/Ihre Ute Scherberich

Spendenkonto:

Hilfe für VIDA NUEVA e.V.
Stadtsparkasse Düsseldorf
Bankleitzahl : 300 501 10
Konto-Nr. : 100 542 22 49

Kennwort : VIDA NUEVA

Spenden- und/oder Patenschaftsanträge
Der von uns eingerichtete Service zur Vereinfachung von Spendeneinzahlungen bleibt natürlich erhalten. Sie können auch die Spenden- und/oder Patenschaftsanträge von unserer Homepage herunter laden (oder bei Frau Pérez Alvarez per Email oder Post anfordern), ausfüllen, unterschreiben und an unsere Kontaktadresse per Post senden.
Somit wird ihre Spende ganz unbürokratisch von ihrem Konto abgebucht, und ihnen der Gang zur Bank erspart.
Des Weiteren erhalten Paten nicht nur unsere Rundbriefe, sondern darüber hinaus regelmäßige Berichte und Informationen nebst Fotos von Ihrem Patenkind und können so immer mehr von ihm erfahren, von dessen Lebensumständen, Fortschritte und Entwicklungen und vieles mehr.

Sollten sie jedoch weiterhin den herkömmlichen Weg bevorzugen, bitte bei der Spendenausstellung / Überweisung Ihre Adresse angeben bzw. uns zusenden oder mailen, damit die Spendenbescheinigung an Ihre aktuelle Adresse gesendet werden kann.

Hinweis für die Zuwendungsbescheinigungen 2012:
Die Zustellungen der Zuwendungsbescheinigungen (für Spenden in 2012) werden voraussichtlich im Februar 2013 erfolgen.
Wenn sie (auch) zukünftig aktuelle “Neuigkeiten” per Email erhalten möchten, senden sie uns einfach eine Mail mit dem Stichwort “Newsletter”.

Kontaktadresse:
Hilfe für VIDA NUEVA e.V.
c/o Marlene Pérez Alvarez
Benderstr. 65
40625 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 98 55 905

Rundbrief zum Download: << Sonder-Rundbrief November 2012 >>

Homepage : < www.VIDA-NUEVA.de >
Email-Adresse : < newlife@VIDA-NUEVA.de >

Nach oben