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Rundbrief Januar 2017

Düsseldorf, 16.Januar 2017

Liebe Freunde/Freundinnen und Unterstützer/innen von VIDA NUEVA


Zwischen Juli und August 2016 hatte ich die Gelegenheit unser Projekt in Lima, Peru, zu besuchen; dieses Mal in Begleitung meines Sohnes, Joshua. Hierzu nutzten wir die hiesigen Schulferien.

Wir waren vier Wochen unterwegs, in denen sich jeden Tag um nicht zu sagen jede Stunde etwas anderes ereignete; etwas Interessantes, etwas Erzählenswertes, das ich mit Ihnen teilen möchte.
Leider kann ich nicht die kompletten 30 Seiten meines Tagebuchs hier niederschrieben, da dies wohl den Rahmen sprengen würde.
Zurück in Düsseldorf versuchte ich, alles Erlebte Revue passieren zu lassen und es gelang mir, es auf sieben Seiten zusammenzufassen und nun versuche ich jetzt, zwei Seiten daraus zu stricken. Sie werden sehen, ob mir dies gelang.
Viele Volontäre/Innen haben bereits von dem Schock erzählt, den sie erlebten, wenn sie sich plötzlich inmitten des Verkehrschaos, der verpesteten Luft und dem ohrenbetäubenden Lärm befanden ganz zu schweigen sich der Gefahr ausgesetzt sahen, einfach nur den Flughafen zu verlassen und zum endgültigen Ziel zu gelangen, dem “Centro VIDA NUEVA”. Ich selbst habe bei hunderten Gelegenheiten die Reaktionen der jungen deutschen meist Frauen gesehen wenn sie peruanischen Boden betreten haben.
Als ich noch in Lima lebte habe ich mich dessen angenommen, die für ihre Aufgabe brennenden freiwilligen Helferinnen vom Flughafen abzuholen und sie willkommen zu heißen.
Für mich als Peruanerin, die die meiste Zeit ihres Lebens in Lima lebte, bedeutet das aktuelle Verkehrschaos dort, das mehr Peruaner als früher einen besseren Lebensstandard haben, der es ihnen erlaubt, ein Auto zu halten.
Es bedeutet aber immer noch, dass weder die jetzige Regierung noch die Regierungen davor, das Problem des nationalen Straßennetzes gelöst haben. Was die Luftverschmutzung anbelangt, war ich mir sicher, dass meine Lungen sich schon nach ein paar Tagen an den hohen Kohlenmonoxidausstoss gewöhnt haben würden.
Ich war davon überzeugt, dass der Verkehrslärm der reparaturbedürftigen Autos, der Leute, der streunenden Hunde, der immensen Staubwolke, die alles überdeckt: Straßen, Wege, Häuser, Gebäude, Werbeplakate, Autos, etc., sich mit der Zeit in einen normalen Anblick verwandeln würden; also als einen Teil des täglichen peruanischen Lebens.
Im Hinblick auf ein Gefühl der Gefahr, das möglicherweise aufkommen könnte, beruhigte mich mein peruanisches Aussehen sehr. Eben das einer typischen Peruanerin aus Lima, die durch jede Straße spazieren kann, ohne aufzufallen.
Auch weil ich keine Markenkleidung trug oder keine wertvollen Gegenstände mit mir führte, wie z. B. eine Kamera, oder ein Blackberry oder Iphone, etc., reduzierte deutlich die Wahrscheinlichkeit eines Überfalls.
Was ich damit sagen möchte ist, dass diejenigen Dinge, die bei einem Menschen, der zum ersten Mal nach Peru kommt, einen Schock auslösen können, für mich normal sind. Das heißt nicht, dass dies mich freut oder stolz stimmen würde, sondern eine Realität bedeuten, die nicht zu leugnen ist.
Das Gute daran ist, dass es sich um veränderbare Fakten handelt, die sich bereits im Veränderungsprozess befinden. Vor 20 – 30 Jahren waren die Probleme sehr viel schlimmer und tiefgehender wenn nicht sogar bedrohlicher. Die Inflation, der Terrorismus, der Staatsstreich von innen, die Korruptionsskandale, die den Präsidenten Fujimori betrafen aber auch seine Vorgänger und Amtsnachfolger.
Mit fortschreitender Zeit kann ich guten Gewissens sagen, dass die herbeigeführten Veränderungen zu befürworten sind und meiner Heimat zugutekamen.
Wir sind auf einem guten Weg. Wir haben uns verwandelt in einen der gastronomisch und kulturell besten Orte der Welt. Unser größter Reichtum besteht nicht im Bergbau oder der Fischerei.
Unser Reichtum besteht aus uns selbst. Wir Peruaner müssten viele Dinge verändern aber es gibt einige, die ich nicht möchte, dass sie sich jemals ändern. Es sind diese Dinge, die ich immer schätzte und vermisse wenn ich nicht in Peru bin.
Dort ist es nicht wichtig, woher du kommst oder wohin du gehst. In Peru kannst du dich immer willkommen fühlen, geborgen und von Herzen angenommen durch seine Einwohner. Das herzliche Lächeln der Leute, die Freundlichkeit, die Bereitwilligkeit zu helfen auch wenn du ihre Sprache nicht beherrschst, ihre Gabe, die Zeit nicht über zu bewerten und den Moment zu genießen ohne sich zu sehr um das Morgen zu sorgen.
Bitten sie jemanden um Auskunft oder haben Fragen, wird ihnen z.B. der Zeitungsverkäufer des Kiosks oder der Taxifahrer gerne helfen. Alle haben Zeit, deine Fragen zu beantworten und wenn nötig, dir zu helfen ohne irgendeine Gegenleistung zu erwarten.
Alle oder vielmehr fast alle sind bereit, dir etwas sehr Wertvolles zu schenken: ihre Zeit, dass ein Stück ihres Lebens ist, dass niemals zurückgegeben werden kann.
Obwohl Lima sehr feindselig wirken kann aufgrund der Unordnung, des Schmutzes, der Armut, etc. kann man die Wärme und Freundlichkeit der meisten seiner Einwohner spüren egal ob arm oder reich.
Speziell und in einer noch intensiveren Weise wenn man das Centro VID NUEVA besucht. Dort ist es nicht wichtig, wer du bist; dort wirst du mit einer überströmenden Herzlichkeit empfangen, als ob es sich um die Ankunft des Papstes Fransiskus handelte.
Die Eltern der Kinder und die Mitarbeiter kommen mit offenen Armen auf dich zu, die Kinder rennen, um dich zu begrüßen; alle freuen sich über deine Ankunft. Sogar die Schildkröte durchquert eifrig den Garten, um ihren alten Freund, meinen Sohn Joshua, zu begrüßen.
Vieles hat sich seit unserem letzten Besuch vor fast drei Jahren verändert. Die Kinder sind zu Jugendlichen geworden, die Jugendlichen sind jetzt junge Leute, die sich z. T. bereits einen Bart stehen lassen, einige der “aktiven”, engagierten und “lebhafteren” jungen Frauen haben ihren Freund unter den Klassenkameraden gefunden. Die Schüler, die Praktika im Rahmen des Arbeitsinklusionsprogrammes absolviert haben, sind bereits in den Restaurants der Nachbarschaft angestellt.
Und viele der Kinder, die an den Gruppenangeboten teilgenommen haben, sind jetzt in Regelschulen angenommen worden, dank der Inklusionspolitik der Regierung, deren Motto “Bildung für alle” lautet.
In den letzten drei Jahren hat sich nicht nur Positives ereignet: eine der Mütter ist an Krebs verstorben, eine andere an Tuberkulose. Einige Familien sind aufgrund verschiedenster Umstände zerrissen worden. (Gewalt gegen Frauen, Alkoholismus oder Spielsucht bis hin zu sexueller Gewalt).
Inmitten vieler widriger Umstände ist das Ziel unserer Institution von höchster Wichtigkeit. Wir möchten unsere behinderten Kinder und Jugendlichen unterstützen, damit sie unabhängig und leistungsfähig werden, zum einen damit sie für ihre Familie eine Unterstützung werden und darüber hinaus in die Gesellschaft integriert werden können.
Eine sehr wichtige Unterstützung bekamen die Kinder wie auch ihre Eltern durch eine Ärztin, die regelmäßig unentgeltlich Sprechstunden angeboten und umsonst Medikamente verteilte.
Als Unterstützung gehört auch, mit den Kindern Ausflüge zu unternehmen, wie es z.B. im Dezember 2016 der Fall gewesen ist, als alle sogar mit der gesamten Familie zum Theater gefahren sind und sich eine Weihnachtsgeschichte angesehen haben.
Ein weiteres Highlight im Dezember war, dass die Kinder des Centros ca. 300 kleinere Panetones gebacken haben um sie Waisenkindern zu schenken.

Zukunftsperspektive
Ab dem Jahr 2017 haben wir aufgrund des nun besseren Inklusionsprogrammes der Regierung und die leider allmählich sehr starken Rückgang der Spenden um fast 50 % gegenüber den Vorjahren dazu entschlossen, das Centro VIDA NUEVA neu zu strukturieren und das “Angebot” unseres Centros anzupassen.
Dies bedeutet, dass ab diesem Jahr das Centro VIDA NUEVA weiterhin ein Zentrum bleibt, das Krankengymnastik, Ergotherapie, Logopädie und psychologische Beurteilung und Diagnostik anbieten wird.
Es wird jedoch nicht mehr auf schulisch basierter Ebene arbeiten, was heißt, dass die Kinder nicht mehr von 8:00 – 12:00 Uhr montags bis freitags am Schulunterricht teilnehmen werden. Dies wird nicht mehr notwendig sein, da die Kinder nunmehr Zugang zum schulischen Inklusionsprogramm haben, das durch den Staat initiiert wurde.
Aufgrund dessen können die Ausgaben für Lehrer und Erzieher eingespart werden, was eine Erleichterung angesichts des beschränkten Budgets, über das wir nunmehr verfügen, bedeutet.
Gott sei Dank berührt dies nicht das Inklusionsprogramm für Beruf und Ausbildung sowie die Bäckerei- und Schreinerwerkstatt, weil wir auch 2017 weiter daran arbeiten werden unsere Jugendlichen in diesen Bereichen auszubilden und zu unterstützen.
Was die Volontäre/Innen angeht, werden wir alle diejenigen annehmen, die in der Lage sind, ihre Unterbringung in einer Pension oder Herberge oder privat bei Freunden (sollte dies der Fall sein) in der nahen Umgebung des Centro VIDA NUEVA selbst zu finanzieren. Wir können es uns leider nicht mehr leisten sie in unserem Centro zu beherbergen. Zudem wird das ehemalige Volontärszimmer nun vom Hausmeister genutzt.

Um zum Schluss zu kommen möchte ich anmerken, dass wenn es so ist, dass unser finanzielles Budget und die Spendeneinnahmen von Jahr zu Jahr immer weiter schrumpfen, es ebenfalls klar ist, dass die Fähigkeit des Centro VIDA NUEVA, sich selbst zu finanzieren, im gleichen Maße kontinuierlich wachsen wird bzw. wachsen muss, damit es weiter existieren kann.
Aufgrund der bei einigen Familien mittlerweile besseren wirtschaftlichen Situation werden diese die Therapien und Förderprogramme für ihre Kinder - soweit es ihnen möglich ist – bezahlen.
Außerdem kommen auch aufgrund des Bekanntheitsrades des Centros immer mehr Kinder aus anderen Gegenden, deren Eltern finanziell besser gestellt sind und die Beiträge in vollem Umfang bezahlen können
Ich glaube fest daran, dass der Tag kommen wird, an dem das Centro VIDA NUEVA in der Lage sein wird, sich aus den eigenen Mitteln zu unterhalten. Vieles lässt mich vermuten, dass dies schon bald so sein wird.
Bis es aber soweit ist, benötigen wir aber weiterhin deine/ihre Unterstützung und Hilfe um nicht noch kurz vor Ende “Schiffbruch” zu erleiden.
Meinem Vater hat ein chinesisches Sprichwort sehr gefallen, das besagt: “Schenk einem Mann einen Fisch und du gibst ihm Nahrung für einen Tag; wenn du ihn aber das Fischen lehrst, ernährst du ihn für den Rest seines Lebens”
Dank Ihrer konstanten und unermüdlichen Unterstützung, Ihres Vertrauens und Dank Gottes Hilfe ist es möglich geworden, dass das Centro VIDA NUEVA im April seinen 24. Geburtstag feiern wird.
Während all dieser Zeit, hat jeder einzelne von Ihnen dazu beigetragen, unsere eigene Angelrute zu erwerben, uns darin zu unterrichten, wie man sie gebraucht und langsam wird der Tag kommen, an dem die Anzahl der Fische ausreicht, um unseren eigenen Bedarf zu decken.
Wenn dieser Tag gekommen ist, werden wir feiern und alle diejenigen würdigen, die es mit ihrer Kraft und solidarischen Unterstützung, ihrer Beharrlichkeit, ihrem Glauben und ihrer Aufopferung möglich gemacht haben, tausend und mehr Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung, sei sie körperlich, psychisch oder sensorisch, die Unterstützung zu gewähren, die ihnen die Regierung einst verweigerte.

In diesem Zusammenhang möchte ich ganz besonders unseren Vereinsmitgliedern, die auch gleichzeitig meine Freunde sind, Frau Dagmar Ohlwein, Herrn Tilo Kowalski, Frau Maxi Zwanzig-Siebke, Herrn Harald Siebke, Frau Kathararina Roggemann, besonders meiner Freundin und Mitbegründerin des Centros und Vorstand Frau Ute Scherberich wie auch meinem Ehemann Dieter Brockert von Herzen danken.

Ich wünsche euch/Ihnen nun für das neue Jahr Gesundheit, Frohsinn und Zufriedenheit.
Mit einem herzlichen Dank für eure/Ihre Treue gegenüber dem Zentrum und den Menschen von VIDA NUEVA und lieben Grüßen

Marlene Pérez Alvarez

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Unsere Bankverbindungsdaten lauten wie folgt:

Hilfe für VIDA NUEVA e.V.
Stadtsparkasse Düsseldorf
Gläubiger-ID : DE71ZZZ00000991486
IBAN : DE29 3005 0110 1005 4222 49
BIC-/SWIFT-Code : DUSSDEDDXXX
Spende für : VIDA NUEVA

Spendenüberweisungen
Es wäre sehr hilfreich, wenn Sie uns bei den Spendenüberweisungen die aktuelle
Adresse mitteilen, damit die Spendenbescheinigung und der Rundbrief auch tatsächlich ankommt.

Hinweis für die Zuwendungsbescheinigungen 2017:
Die Zustellungen der Zuwendungsbescheinigungen (für Spenden in 2016) wurden Ende Februar 2017 versandt.

Wenn sie (auch) zukünftig aktuelle “Neuigkeiten” per Email erhalten möchten, senden sie uns einfach eine Mail mit dem Stichwort “Newsletter”.

Kontaktadresse:
Hilfe für VIDA NUEVA e.V.
c/o Marlene Pérez Alvarez
Benderstr. 65
40625 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 98 55 905


Rundbrief zum Download: << Rundbrief Januar 2017 >>


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