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20.April 2006

2.ter Bericht von Michael Hielscher

Hallo Marlene, Dieter und Joshua,

...und schon wieder drei Wochen vorbei.
Ich hoff erst mal es geht Euch gut und Ihr seit wohlauf.
Hier im “Wilden Westen” ist eigentlich alles in Ordnung und es geht mir richtig gut, ich genieß hier meine Zeit und leider verfliegt diese bloß sooo schnell.
Was ist hier in der letzten Zeit so passiert?

Als erstes fallen mir da die Wahlen ein und ich muss sagen, dass ich froh bin, dass die erste Runde vorbei ist, denn das Volk war schon seit meiner Ankunft am 11.03.06 aus dem Häuschen und man konnte kaum in Ruhe fernsehen, ohne das Werbung für einen evtl. künftigen Präsidenten kam und genauso verhielt es sich auch im Radio.

Frage: Woher kennt man den "Liedtext" Olé Olé Olé Olé?
Meine Antwort wäre: vom Fußball!
Und so verhielt es sich, dass ich eines Tages im Stadtteil Ate Vitarte unterwegs war und an einen Platz kam, wo die Fans eines Präsidentenkandidaten genau diesen "Song" sangen und nicht nur wenige, sondern der ganze Platz, fand ich schon ein wenig verwunderlich und konnte mir das Lachen nicht verkneifen.
Doch nun sind die Wahlen vorerst vorbei und ich habe wirklich gar nichts dagegen.

Über Ostern bin ich dann auch mal nach Macahuasi gefahren, ein Freund und ich wurden dort hingelockt, weil man uns sagte, es gäbe dort ein Festival.
War aber nix, nix mit Festival auf 4.100m Höhe, sondern nur ein CD- Player mit nur einer CD, gähn.
Nachts haben wir dann gefroren und das nicht wenig, uns hat ein Zelt bzw. die richtige Ausrüstung gefehlt, uns war so kalt in der Nacht, dass wir uns am nächsten Tag kein bisschen über das Eis auf Schlafsack und Rucksack wunderten.
Und so haben wir uns dann am nächsten Tag mal die Wolken von oben angeschaut und einfach den Moment auf diesen echt schönen Fleck Erde genossen.

Mit der Therapie geht’s auch vorwärts, man kennt nun seine Strategen und weiß nun was der eine oder andere so braucht, bzw. besser gesagt wie man ihn am besten begegnet.

Mit Josue habe ich mir nun meine persönliche Herausforderung gesetzt.
Ich versuche nun mit besonders viel Geduld und mit viel Erklären ihm beizubringen, dass das was wir mit ihm machen ihm zwar weh tut, dies aber nicht aus derselben Intension heraus machen, sondern nur um ihm zu helfen.
Er schimpft dann manchmal ganz schön, schlägt leicht um sich und möchte abbrechen, aber nun eben zu erkennen, dass auch dieses Verhalten Teil seiner Krankheit, bzw. das Resultat seiner Lebensumstände ist, ja das fällt mir manchmal schwer.
Aber ich habe nun mit dem ganz, ganz geduldigen und erklärenden Therapeuten angefangen und habe schon die ersten kleinen positiven "Resultate" erzielt, welche mich nun auch motivieren, genauso mit ihm weiter zu machen.

Die Arbeit macht aber noch sehr viel Spaß und es ist einfach schön die kleinen chamacos (kleine Kinder ) auf dem Schoss zu haben, vielleicht mit dem ein oder anderen Jungen ein bisschen herum zu kämpeln / kämpfen, das Lachen zu sehen, die Schnotternase ...
Ja ich habe hier schon meine kleinen “amigos” (Freunde), die sich frech nähern und eigentlich bloß drauf warten mal richtig, aber so richtig durchgekrabbelt zu werden.
Na ja mit den kleinen Mädchen ist es etwas anders, da genieß ich die "Gewohnheit des kleinen Küsschens auf die Wange", die dann den langen Hals machen und mua, echt süß.
Echt wirklich knuffige Kinder habt ihr hier.

Trotz alledem hat auch dieser Taler seine andere Seite und leider ist es eben so, dass hinter diesen Kindern echt arme Familienverhältnisse bzw. Armut stehen und das hat mir letztens, obwohl ich meinen Zivildienst in einem Waisenhaus in Mexiko gemacht und mir die Slums von Südafrika mal angeschaut habe, ziemlich aufgestoßen.
Es ging mir an diesen Tag mal richtig an die Substanz und ich habe mich davon auch an diesem nicht mehr erholt.
Ich hatte nur eine Frage im Kopf:
"Was können diese Leute dafür, in diese Armut hineingeboren zu werden und warum hat uns das Schicksal so verschont, uns hätte dasselbe passieren können"?!.
Da kommt man auch auf den Gedanken, wie es dem einen oder anderen in Deutschland mit seiner sozialen Absicherung im Nacken geht?!.
Und dann beschweren sich die Leute noch--- und hier sind die Lebensumstände um einiges schlechter und die Leute begegnen einem mit Zufriedenheit und Dankbarkeit für jedes bisschen.
Ach, das muss man einfach erleben. Ich denke, dann blickt man ein bisschen anders in die Welt.

Gut Ihr Lieben, ich möchte nun schließen, euch nochmals danken hier in diesem Projekt arbeiten zu können, und wünsche euch alles Gute!

bis dahin

Michael Hielscher

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