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04.Juni 2006

4.ter Bericht von Denise Lange

Wochenende, 12.-14.05.06
Heute habe ich zum ersten Mal meine Bettlaken selbst gewaschen, und nicht wie die letzten Male an Sra. Rosa weitergegeben. Es ist eine Kunst für sich, so ein großes Stück Stoff in einer kleinen Wanne zu waschen. Ich habe bestimmt 4x die gleichen Stellen abgebürstet,... man verliert so leicht die Orientierung...

Mit einem Freund war ich abends in einer Disko, wo man wirklich nur Peruaner trifft. Ich kam mir teilweise schon wie ein Papagei mit meinen hellen Haaren + hellen Augen vor. Muss auch ehrlich gestehen, dass ich mich in dieser Position nicht ganz wohl gefüllt habe. Der Tanzstil war ganz interessant. Die Peruaner in dieser Disko tanzen in Linien hintereinander (Mann, Frau, Mann, Frau...), ziemlich eng und sehr körperbetont.
Was mir aufgefallen ist, das in diesem Laden eher jüngere Menschen waren, so zw. 18 und 22...
Aber es war eine sehr interessante Erfahrung.

Am Samstag zeigte ich Sra. Rosa wie man Kartoffelpuffer / Reibekuchen macht. Da es hier normal kein Essen ohne Reis und Fleisch gibt, habe ich noch Reis mit Hühnchen dazu gemacht.
Abends sind wir dann auf ein traditionelles Fest gegangen. (St. de la Cruz = ein Heiliger). Zwei Gruppen tanzten traditionelle peruanische Volkloretänze. Eine Gruppe tanzte barfuss auf dem Lehm-/Steinboden...
Auch spielten einige Gruppen zum Tanz auf. Fast alle Personen die auf dem Fest waren tanzten auf Huyano (traditioneller Tanz), mir wurde erzählt, dass jedes Dorf seine eigenen Schrittkombinationen hat.
Was ich persönlich nicht so angenehm fand, das die Männer schon ziemlich angetrunken waren.
Bestimmte Familien bauten aus Stangen und Feuerwerkkörpern einen kleinen Ochsen, der dann auf die Schultern genommen wurde, und durch die ganze Menschenmenge getragen wurde, natürlich mit den angezündeten Feuerwerkskörpern. Ich fragte mehrere Leute, was die Geschichte dazu wäre, aber keiner konnte mir eine Antwort geben... Tradition...

Am Sonntag waren wir von einem Kind das wir therapieren zum Essen eingeladen. Man merkt sofort dass diese Familie nicht so arm ist, dass sie in einem ganz normalen Steinhaus wohnen, und das Dach zugebaut ist.
Wir aßen Tamales (ein Teig aus Maismehl, in den Hühnchenfleisch, Oliven, Chili und Zwiebeln reinkommen). Ein Typisches südamerikanisches Essen. Das behinderte Mädchen, Sadhid, wird sehr gut betreut. Bis zu ihrem 13.Lebensjahr war sie in einer Behindertenschule, leider wollte sie danach nicht mehr, und hat im Laufe der Jahre das was sie konnte verlernt, so dass sie jetzt sehr schwer geworden ist, und die Mutter das ganze Gewicht heben muss, um einen Transfer zu machen.

Am Mittwoch sahen wir zum ersten Mal deutliche Verbesserungen bei Shirley. Ihre Ziele waren, das Krabbeln anzubahnen und später in den Stand zu kommen. Das Kriechen findet jetzt gut und sehr schnell in den Diagonalen statt. Auch kommt sie jetzt alleine in den Vierfüßlerstand. Leider verliert sie die Kontrolle, wenn sie sich darin fortbewegen will. Heute Stand sie alleine für 4sec.

Seit einigen Tagen fragte mich Sra. Rosa, ob ich mit ihr nach Gamarra fahren wolle, Gamarra sind so um die 3 Einkaufsstrassen. Heute sind wir dann spontan dorthin gefahren. Nach den ersten 15min war ich vom Kopf her total zugedröhnt. Vor den Kaufhäusern stehen die Verkäufer mit ihrer Kleidung und preisen sie in mehr oder weniger billigen Preisen an. Wenn dir ein Angebot zusagt, bringt diese Person dich zu dem Geschäft, oder dem Stand in dem Kaufhaus. Man muss sagen, es ist nicht so, dass in dem Kaufhaus nur eine Marke angeboten wird, sondern es besteht aus lauter kleinen Läden (Ständen). In so einem Gebäude kann es dann 10 verschiedene Schuhgeschäfte geben und 40 Kleidergeschäfte, entsprechend klein...
Die Konkurrenz unter den Geschäften ist relativ groß, so dass man die Preise schon runterhandeln kann. So bekam ich eine Jeans für 25Soles (6,25Euro). Billiger ist es auch so gut wie nicht möglich...
Gegend Abend sollte man sich aber nicht mehr dort aufhalten, gerade als Ausländer... da das Pflaster sehr gefährlich wird. Sra. Rosa erzählte mir, das 3 Männer auf dich zukommen, 2 halten dich fest und einer durchsucht dich komplett... geht mit der Hand in den BH (viele Peruanerinnen verstecken dort ihr Geld), Unterhose und manchmal lassen sie dich sogar die Schuhe ausziehen. Diese Personen wissen genau, wo du das Geld versteckt hast. Leider wird dir auch kaum von Außenstehenden geholfen, da sie selber Angst haben ausgeraubt zu werden. Sra. Rosa erzählte mir, das ihr das selbst einmal passiert ist, und sie dann mit einem Taxi heimfahren musste... die Taxifahrer kennen das Problem, und du kannst ohne Probleme sagen, das du zahlst, wenn du am Ziel ankommst!
Was mir in Gamarra gut gefällt ist, dass du für jeden Kleiderstil etwas findest!
Ich habe noch nie so viele Hochzeitskleider oder festliche Kleidung gesehen wie hier! Ich konnte mir es nur so erklären, das es hier sehr viele Hochzeiten + sehr viele Kinder (Taufen) gibt.

Am Freitag war mal wieder ”Escuela de padres” (Besprechung der Eltern). Die Eltern hatten in den vergangenen Jahren immer wieder gefragt, was die Physiotherapie ist, und was mit den Kindern in dem Zusammenhang gemacht wird, und warum sie gut ist. Leider war das Spanisch von den meisten Volontären nicht ausreichend um mal einen Vortrag darüber zu halten. Da Michel durch seinen 17-monatigen Mexikoaufenthalt ein sehr gutes Spanisch spricht, und ich durch meinen 10-monatigen Spanienaufenthalt, traf es diesen Freitag uns. Wir hielten 1Stunde und 20min einen Vortrag über die Physiotherapie... die Mütter waren sehr interessiert und fragen sehr viel,... auch stellte eine Mutter fest, das es doch gut wäre, dies zu wiederholen, und Therapiebeispiele zu bringen, die sie mit den Kindern zu Hause ausführen könnten.
Wir werden sehen, was sich daraus entwickelt!

Am Dienstag waren wir bei der Pflegefamilie von Renzo (Kind von der Schule) zum Essen eingeladen. Diese Familie ist sehr arm. Sie hat einen Raum, wo die komplette Familie schläft (Mutter + Vater + 5 Kinder), einen anderen Raum, wo gegessen wird, und die Küche. Sie ist nur zu einer Seite abgedeckt, die andere Seite schaut auf einen Steinfelsen, der von der Familie immer mehr abgetragen wird, um diesen Platz auch noch als Wohnfläche zu nutzen. Mit Hammer und Meißel tragen sie die Steinbrocken ab.
In dem Stadtteil wo diese Familie wohnt, gibt es kein fließend Wasser, das heißt für diese Häuser werden Wasserzisternen von ca. 50l Wasser für 1Sol (25cent) verkauft. Die Mutter erzählte uns, dass sie täglich so eine Zisterne kauft, wenn diese aber abends leer sein sollte, gibt es eben kein Wasser z.B. zum Trinken oder für die Toilette mehr.
Letztens in der Therapie hatten wir mit ihr ein Gespräch über Erziehung. Sie erzählte uns, das ihre älteste Tochter 20Jahre alt ist, und als sie vor ein paar Monaten eine Fete hatte, wartete die Mutter die ganze Zeit (vor der Tür der Fete) bis um 2Uhr nachts, bis sie die Tochter nach Hause begleitete.
Also, ich kenne das von Deutschland in dem Alter nicht mehr. Das die Eltern einen abholen, kann sein, aber nicht, das die Eltern die ganze Zeit draußen Wache stehen!

Heute erfuhren wir eine Geschichte von einem der Kinder die wir therapieren.
Zu Hause wohnt dieses Kind mit der Oma und seinen 5 Geschwistern. Der Vater ist Alkoholiker und kümmert sich nicht sehr arg um sie. Die Mutter der Kinder ist über 10Jahre jünger als der Vater und wohnt in Lima-City, und besucht ihre Kinder so 2mal im Jahr. Der Opa ist bettlägerig, und liegt den ganzen Tag im Bett. Die Oma kocht für die Kinder, und ist so für sie da.

Am Freitag erklärte mir Sra. Rosa wie man Tamales und Massa Mora macht. Sie bereitet den ganzen Freitag die Tamales vor, um sie dann samstags morgens um 5:30 aufzustehen, und sie zu verkaufen.
Die Wände wo sie wohnt, sind mit Plastikplanen abgedeckt. Diese Form sieht man bei sehr vielen Peruanischen Häusern. Da die Mindesttemperatur um die 10Grad ist, geht das gerade! Bei Minustemperaturen, ohne Heizung wäre das Leben hier gar nicht möglich.
Wie auch in vielen Teilen Spaniens gibt es hier keine Heizungen in den Häusern.

29.05.06 - 02.06.06
Heute bereiteten wir alles für die Ankunft von Lea (die neue Volontärin) vor. Ich begleitete Michel erst zu seinem Salsaunterricht (ich habe gleich als Frau ausgeholfen *smile*), danach fuhren wir weiter zum Flughafen. Eigentlich sollte sie um 21:47 landen, als wir aber um 21:25Uhr am Flughafen ankamen, stellten wir fest, das sie schon gelandet ist, und 5min später sahen wir sie schon.

Am Dienstag schaute sie auch gleich bei der Therapie zu! Und genoss nachmittags das leckere Essen von Sra. Rosa.
Es gab gefüllte Kartoffeln! Auch saßen wir eine halbe Stunde in der Sonne. Da wie wir aus ihren Erzählungen hörten, es noch nicht so viel davon in Deutschland gegeben hatte. Nachmittags zeigten wir ihr ein bisschen von St. Clara! Das Internet-Café, den Bäcker, ...

Am Mittwoch fragte mich Sra. Rosa noch mal, ob wir nach Gamarra gehen wollen. Ich fragte Lea, und sie hatte auch Lust! Es ist wirklich interessant, wie man sich an ein Land gewöhnt, mir fällt gar nicht mehr auf, wie ”unmöglich” einige Busse fahren. Lea erzählte mir, dass sie schon 2-3x Schlucken musste. Ich kann es auch wirklich verstehen, ich weiß noch, wie ich die ersten Male in den Bussen gezittert habe, wenn aus 2 offiziellen Spuren 3 oder 4 gemacht werden. Die Busse rechts oder links überholen, oder scharf an den Rand ziehen, um Passagiere rauszulassen oder aufzunehmen.

Ich wollte mir in Gamarra eine Hose kaufen. Wir sind in ein Kaufhaus rein, dort fragte ich gleich nach den Preisen für die Hosen. Die Verkäuferin sagte mir 28Soles (7Euro). Ein super Preis, dachte ich, und probierte gleich 3 Hosen an. Als ich mich am Ende für 2 entschieden hatte, gab mir die Verkäuferin mir plötzlich eine Rechnung von 80Soles. Rosa die neben mir stand, und den Anfangspreis auch gehört hatte, fragte nach, warum die Hose plötzlich so teuer ist ... Touristenpreise!!!!
Beim anprobieren der Hose hatte die Verkäuferin mitbekommen, das ich nicht aus Peru komme, und dachte so mehr verdienen zu können!

Hier beginnt jetzt richtig der Winter. Die Sonne scheint zwar noch, und es kann auch noch sehr warm vormittags werden, aber abends + nachts ist es jetzt richtig kalt!
Was leider zur Folge hat, das viele Kinder krank sind!
Luis-Fernando ist jetzt z.B. schon seit 3Wochen krank.
Omeyra die einen künstlichen Darmanschluss hat, wird gerade erneut operiert ...
Lea hat heute die Therapie von manchen Kindern zum Teil übernommen, z.B. von Yoel, Carla + Tamara ...
Sie spricht wirklich ein gutes Spanisch. Wenn Michel und Ich unterwegs sind, wird sie von der Sprache her keine Probleme haben!

Am Samstag haben Michel und ich Lea die Innenstadt gezeigt, mit ihren Plätzen und Parks.
So standen Lea und ich oft mit den Kameras da, und haben Fotos gemacht, während Michel hinter uns stand, um uns zu schützen (Abschreckung für die Leute, die uns evtl. beklauen wollen)!
Abends sind wir spontan noch ins Kino gegangen. In ”Codico da Vinci”. Der Film wurde in Englisch (außer die Kinderfilme) mit spanischen Untertiteln ausgestrahlt. Die Lautsprecher waren leider nicht so gut, so dass die Stimmen kaum zu verstehen waren. Das hieß für uns, in Spanisch mitlesen ...
In der Mitte des Filmes gab es dann einen kleinen Filmriss, 5 min danach ging der Film dann weiter...
Leider hörte man auch von den Filmen die rechts + links in den Räumen ausgestrahlt wurden die Stimmen, da die Lautsprecher zu laut eingestellt waren ...
Sonst hat uns der Film sehr gut gefallen.

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