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28.November 2001

Bericht von Dorothee Goldmann

Anfang Oktober hatte ich die Möglichkeit mit zwei Physiotherapeutinnen, die gerade zuvor ihr Staatsexamen an der Physiotherapieschule in Bad Lippspringe absolviert hatten, für zwei Wochen nach Peru zu reisen. Sabine und Maureen wollen für ein halbes Jahr als Volontärinnen im Zentrum Vida Nueva arbeiten. Da es nun schon das zweite Mal ist, dass ehemalige Schüler unserer Physiotherapieschule in Santa Clara arbeiten, war ich sehr interessiert das Projekt kennen zu lernen. Bei unserem Tag der offenen Tür hatten Steffi und Gaby, die im letzten Jahr in Santa Clara waren, engagiert den Eltern und Schülern von ihrer Arbeit im Zentrum Vida Nueva berichtet. So kam eine Spende von 700.- DM zusammen, von der ein Trampolin gekauft wurde.
Etwas aufgeregt traten wir die Reise an. In Lima angekommen mussten wir natürlich den Zollbeamten erst einmal erklären, was ein Trampolin ist. So etwas hatten sie noch nicht gesehen. Gott sei Dank ließen sie uns ohne Zollgebühren passieren. Marlene nahm uns herzlich in Empfang. Den Transport ins Zentrum hatte sie auch schon organisiert. Ein Taxicombi erwartete uns, in den wir nur mit viel gutem Willen hinein passten. Der 26 Jahre alte Toyota ihres Vaters, mit dem sie sonst die Volontärinnen abzuholen pflegt, wäre zu klein gewesen. Die eineinhalbstündige Fahrt bis Santa Clara war schon abenteuerlich. Seit kurzer Zeit ist Anschnallen Pflicht, aber nur der Fahrer verfügte über einen Sicherheitsgurt. Zudem lagen Sabine, Maureen und Marlene hinten quasi unter dem Trampolin, und der Verkehr ist für Europäer wirklich chaotisch. Aber wir kamen heil an.
Die ersten Tage verbrachten wir damit, die Kinder und Lehrer kennen zu lernen. Der Empfang war sehr offen und herzlich. Wir besuchten den Unterricht in allen Klassen. Zur Zeit besuchen ca. 40 Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Behinderungen Vida Nueva. Manche Kinder sind ausschließlich geistig behindert, andere körperbehindert, manche beides und einige sind nur entwicklungs- verzögert. Man findet dieselben Krankheitsbilder wie in Deutschland: unter anderem mongoloide bzw. autistische Kinder und spastisch gelähmte Kinder, die nicht gehen können. Das Trampolin kann ganz vielseitig eingesetzt werden und ist für alle Kinder gedacht. Katty, ein etwa 10- jähriges Mädchen, die mit ihrer Familie in sehr beengten Verhältnissen wohnt und deswegen unter Bewegungsmangel leidet, sprang mit Begeisterung und will nun täglich zur Krankengymnastik kommen. Jorge ist ein 12- jähriger autistischer Junge, der normalerweise Fremde nicht an sich heran lässt. Mit dem Trampolin war das etwas anderes. Anstandslos zog er die Schuhe aus, nahm mich bei den Händen und wippte mit viel Spaß. So lassen sich gut die Koordination und das Gleichgewicht bei Kindern üben.
Solange Sabine und Maureen im Zentrum arbeiten, können auch Kinder von außerhalb zur Krankengymnastik kommen. Ein schwer körperbehindertes Mädchen, das nicht gehen kann, wird täglich von der erst 15 jährigen Tante zur Therapie gebracht. Juan Jesus ist gehbehindert, hat eine leichte Halbseitenlähmung und deswegen Probleme seine Hand feinmotorisch einzusetzen. Er spricht kaum, hat aber seine eigene sehr freundliche Art sich verständlich zu machen. Er konnte in der Physiotherapie kein Ende kriegen und freute sich jedes Mal, wenn wir ihn aus dem Unterricht holten.
Ende Oktober fand in Chosica, einem Städtchen in der Nähe von Santa Clara eine Behindertenolympiade statt. Die Kinder übten fleißig mit Soledad, der peruanischen Physiotherapeutin, Weitsprung, Werfen, Balancieren und Laufen. Bei der Vorbereitung halfen Sabine und Maureen. Alle Kinder waren mit Feuereifer bei der Sache und bejubelten jeden Sieg.

Vor kurzem konnten die Toiletten für die Kinder fertig gestellt werden. Sie sind nun endlich nach Geschlecht getrennt und die Volontärinnen müssen ihre Toilette nicht mehr mit den Kindern teilen.
In den zwei Wochen, die ich im Zentrum verbrachte, bin ich in eine andere Welt eingetaucht, die mich viele Dinge hier in einem anderen Licht sehen lässt. Einige Probleme relativieren sich. Die Zeit verging wie im Flug und ich wäre gern länger geblieben. Beeindruckt haben mich das Engagement und die Offenheit der Lehrer und Therapeuten, die mit einfachsten Mitteln die Kinder fördern und motivieren.

Eins steht fest, ich werde irgendwann wieder nach Santa Clara fliegen.

Dorothee Goldmann.

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