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22.Juli 2006

Abschlussbericht von Michael Hielscher

Hallo Marlene, Dieter, Joshua und alle Interessierten !!!

Ich glaub es nicht, jetzt bin ich an der Reihe mit meinem Abschlussbericht und wird’ nun mal versuchen die letzten 4 Monate zusammenzufassen, was sicher nicht ganz einfach wird, denn in dieser Zeit ist hier echt ’ne Menge passiert.
Aber eins vielleicht gleich mal zum Anfang sagen: " Ich hatte eine sehr schöne Zeit hier und es hat mir sehr gefallen!"

Den Anfang hier im Zentrum könnte ich eigentlich auch so beschreiben, ich bin nach der Reise am 12.03.06 im Zentrum angekommen, hab’ mein Bettzeug ausgebreitet, mich ins Bett gelegt und bin mit einem Grinsen und einem Kopf voller Neugierde eingeschlafen.
Ganz einfach, hab’ mich auch sogleich wohl gefühlt, dazu hat die Familie von Sra. Rosa und Sr. Alberto auch noch ihren entscheidenden Teil dazu beigetragen. Marie, eine andere Volontärin, war auch noch da und konnte Denise und mir auch noch das Wichtigste sagen bzw. zeigen.

Das Wochenende war vorbei und so ging es dann in der ersten Woche mit dem Hospitieren in den Klassen los, jeden Tag ’ne andere Klasse- das war echt ganz gut, denn so haben wir mal eben einen kleinen Überblick über die Kinder und ihre "Eigenheiten" bekommen, die ja nun auch jeder hat, nachmittags haben wir dann noch die Beipackzettel von Medikamenten übersetzt, um die Hausapotheke ein wenig verständlicher zu machen.
Ebenso haben wir noch die Schuhe an die Kinder verteilt, die dem Zentrum freundlicherweise gesponsert worden sind, vielen Dank noch mal!

Ja und dann sollte es auch mit der Therapie, dem Haare raufen, dem Gefühl ’ne gesprungene Schallplatte zu sein, sowie auch echt rührenden Momenten losgehen.
Man kann nicht sagen, dass es besonders schwer oder leicht war sich in die Arbeit hineinzufuchsen, ich denk’, es ist ganz normal verlaufen, was eher ein bisschen schwieriger war, das war ich selber.
Ich dachte ja nun immer ich wäre ein Mensch der echt ’ne Menge Geduld hat und recht “tranquilo” (ruhig) ist, aber hier wurde ich eines besseren belehrt und so konnte ich echt noch ein paar Scheiben Geduld oben drauf packen.
Ach und da kommen einem auch sogleich paar Kinder in den Kopf - die ehemaligen Volontäre werden bestimmt gleich zustimmend mit dem Kopf nicken, wenn ich da Naile, Lady, Josué oder auch Yoel erwähne.

Bei dem ein oder anderen ist man nach seinen 45 min Therapie echt fertig, vom 1000 mal wiederholen, das Kind immer wieder an seinen Platz zurückholen und an seine Aufgabe zu erinnern usw. und man hofft dann nur, dass es mit dem Nächsten dann ein bisschen einfacher wird.
Aber ich wollt’s ja so, schon seit ein paar Jahren wollt’ ich meine Erfahrungen im Bereich mit behinderten Menschen sammeln, dass ich es nun hier in Perú machen konnte ist natürlich für mich ein großer Bonus.
So ging es los und nach und nach bekam ich meinen Rhythmus, lernte die Kinder, die Lehrer und das ganze Team von "VIDA NUEVA" besser kennen und klimatisierte mich mehr und mehr an.
Gleich am zweiten Wochenende lernte ich dann auch meinen Amigo Percy hier kennen, welchen ich dann in den nächsten Wochen zwischen 3 und 5 mal in der Woche sehen sollte.
Der hat mich auch gleich prompt seiner Familie vorgestellt, welche echt groß ist und hat mich auch hier in Santa Clara überall mit hingenommen und so habe ich dann ruck-zuck hier paar Leute kennen gelernt, puuh was für mich irgendwie sehr wichtig ist.
Die ersten Wochen immer freitags, stand abends Fußball auf dem Programm, die haben hier ihren kleinen Fußball-Championchip abgehalten und so konnte ich auch hier mal ein bisschen beim Fußball fiebern, vielleicht auch eine kleine Entschädigung für die verpasste WM in Deutschland?
Ebenso hab ich hier den Wahlkampf um die Präsidentschaft mitbekommen, der Wahlkampf geht hier echt ein bisschen anders von statten, alles drehte sich nur um die Wahl, die Strassen sind mit Wahlreklame wie tapeziert und im Radio und TV(ole´ole´) immer das gleiche. Puuh, und ich war dann echt froh als dies dann beendet war und die Entscheidung gefallen war, hoffentlich auch die Richtige!
Ich hab’ mir dann auch gleich hier in der zweiten Woche eine sportliche Betätigung gesucht, und so hab ich dort auch noch paar Leute kennen gelernt und hatte so meine Abende auch ein bisschen gefüllt.
Später dachte ich, es könne so nicht weitergehen, dass ich nun nicht Salsa tanzen kann, (peinlich wenn man aufgefordert wird) und so ging ich dann auch noch 3 mal die Woche zum Salsa, dafür musste ich aber immer ins Zentrum fahren, hat Spaß gemacht, nur bezweifle ich, dass ich etwas gelernt hab’, der Lehrer ist mal wieder dran Schuld, der wollte uns aber gleich Pirouetten und schwierige Kombinationen beibringen, räusper!
Ja und so war dann meine Woche ziemlich ausgefüllt und ich war gut beschäftigt!

Und die Zeit rannte und flog mit sich selber um die Wette.
Nach und nach lernte ich die Kinder immer besser kennen und die Kinder mich, und so wurde ich Fan von ihnen und diese irgendwie auch ein bisschen Fan von mir.
Nicht einfach für mich waren allerdings die Kinder mit Autismus, irgendwie versucht man da immer die richtige Tür zu finden, doch viele Male haben diese gar nicht reagiert und es war sehr schwer sie zu etwas zu animieren, sie aus ihrer Welt heraus zu holen.
Da war ich echt manchmal froh, wenn sie auf einfachste Aufgaben reagiert haben.

Auch bei den nicht autistischen Kindern war es nicht immer nur reine Freude, sondern auch echt manchmal ein bisschen "frustrierend".
Man klemmt sich manchmal ’ne ganze Weile dahinter und erklärt und tut und macht und dann klappt es vielleicht einmal, aber ein zweites Mal nicht, dann ist es, als hätte man es nie erklärt.
Dann geht’s beim nächsten Mal mit der gleichen Sache weiter und man darf nicht unbedingt erwarten, dass es dort weitergehen kann, wo man beim letzten Mal aufgehört hat.
Das ist das, was ich mit "ein bisschen frustrierend" bezeichnen würde, aber dafür wird man dann wieder mit den Küsschen auf die Wange von den kleinen Mädchen entschädigt, oder mit dollen freundschaftlichen Umarmungen von Bruno, ja und dann ... !

Das Zentrum bzw. die Leute hier standen auch immer mit Rat und Tat zur Seite und haben mir so manches Mal erklärt, wie man mit dem einem Bus zu dem anderen Ziel gelangt.
Auch was das Zusammenleben mit Denise, Lea und Julia, den Volontärinnen unter einem Dach angeht, so kann ich da eigentlich auch nur sagen, dass es gut funktioniert hat, wir uns gut zusammengerauft haben und uns eigentlich nicht " in die Wolle bekommen haben", vielleicht eine Sache, die ja auch nicht auszuschließen gewesen wäre.

Gestern fand nun hier meine despedida ( Verabschiedung ) im Centro statt, ich hatte paar Kuchen und Limonade gekauft und schluchz, dann war der Moment gekommen.
Jim und die Lehrer haben echt nette Worte gefunden und ich hab ebenso versucht auszudrücken, was und wie ich meine Zeit hier im Zentrum erlebt habe.
War echt ein rührender Augenblick, wird’ ich sicherlich nicht vergessen und danach kamen die Kinder noch auf einen Drücker vorbei, süß!

Gestern Abend, bin ich dann mal wieder ins Zentrum vom Lima gefahren, doch an einer Stelle ging es dann nicht mehr weiter, nur noch zu Fuß.
Warum ?
Antwort: ...weil nun die Vorbereitungszeit auf den " dia de la independencia"
(Unabhängigkeitstag) läuft, was man hier auch schon als die Zeit des Vaterlandes bezeichnet.
Das sieht dann so aus, dass in vielen Gegenden Umzüge und Märsche stattfinden.
Kleine 6-jährige Kinder und Jugendliche marschieren in Uniform und mit Pauken und Trompeten durch die Strassen und feiern ihr Vaterland.
Für mich wirkt das echt ein wenig übertrieben, vielleicht liegt es aber auch dran, dass ich so etwas aus Deutschland nicht weiter kenne, wann sieht man bei uns schon mal einen Umzug, wenn nicht gar zum Karneval in Köln, aber einen Marsch, eher selten.
Eine Scheibe Nationalstolz könnten wir uns da meiner Meinung nach echt mal abschneiden, aber vielleicht vergeht noch ein bisschen Zeit und so was gibt’s auch mal wieder bei uns, in irgendeiner Form?!
Aber beeindruckend war es gestern doch allemal, möchte dann ja gern mal wissen, was dann erst am 28.Juli, dem besagten Unabhängigkeitstag los ist, ich bin gespannt.

Ach überhaupt hab ich bis jetzt auch echt schon was gesehen, ich war im Norden am Strand (als ich mein Visum über Ecuador verlängert hab’), war in Huaraz in den Bergen und hab die Tour mit Lamas und dem Bauern gemacht.
Ebenfalls war ich mit Alex, einem Freund schon bei den skurrilen Steinen von Marcahuasi, sowie letztens in einer spontanen Aktion mal über ein Wochenende im Dschungel.
Jetzt am Sonntag kommt la familia und ich werde 3 Wochen mit denen durchs Land reisen und wir werden ganz sicher noch viele schöne Eindrücke haben, oben auf den Ruinen vom Machu Picchu stehen, mit Blick in die bewaldeten Andenberge und Täler, freu mich schon drauf.!

Doch nun möchte ich auch langsam mal zum Schluss und noch mal aufs Zentrum zu sprechen kommen, dem " zu Hause " meiner letzten 4 Monate.
Ich wollte, wie schon gesagt, seit langem mal mit behinderten Menschen arbeiten, weil ich mir schon immer denken konnte, dass dies eine erfüllende Arbeit ist, und meine Erwartungen wurden voll und ganz bestätigt!
Ebenso bin ich sehr glücklich über die Zeit die ich hier im Zentrum " VIDA NUEVA " haben durfte, sehr froh über die Erfahrung mit den Kindern (die einem echt ganz schön ans Herz wachsen können) und sehr dankbar über alles was ich hier erfahren durfte.
MUCHAS GRACIAS !
Doch ich hab es gestern bei der despedida auch schon gesagt, deswegen sollte man nicht gleich Entwarnung geben, denn ich bin noch ’ne Weile im Land und wird’ bestimmt noch das ein oder andere mal hier vorbeischauen.
In diesem Sinne ein " hasta luego y muchas gracias "!

Michael Hielscher

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