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02.Dezember 2002

VIDA NUEVA ESPECIAL von Dagmar Ohlwein

Meine nächtliche Ankunft in Lima, Anfang August d.J., war alles andere als vielversprechend für meinen 3-monatigen Aufenthalt in Peru: Übermüdet, unsicher ob der Dinge, die mich erwarten, niemand da, der das versprochene Schild mit Vida Nueva hoch hielt und ziemlich kalt und zugig da am Flughafen.
Angespanntes Warten auf Frau Pérez Alvarez, zum Glück war Liane, meine Arbeitskollegin bei mir. Ohne sie wäre diese Situation viel unangenehmer gewesen. Zu zweit läßt sich vieles leichter meistern. Frau Pérez Alvarez kam dann in Begleitung von Senor Jesus, dem netten Taxifahrer und Vater von Anthony, eines der Kinder von Vida Nueva. Sofort wurde es wärmer und entspannter; ein kleines Mißverständnis, was unsere Ankunftszeit anging.
Frau Pérez Alvarez mit ihrer Herzlichkeit eroberte meine Sympathie im Nu. Wir sprachen von Anfang an in ihrer Muttersprache miteinander, obwohl mein Spanisch wirklich nicht gut ist. Sie verstand mich und sie verstand es auch in kürzester Zeit, Liane und mich mit ihrer Heimatstadt vertraut zu machen: Wo fährt welcher Bus wohin und wieviel soll maximal bezahlt werden. Im Notfall ist es besser ein Taxi zu nehmen, mit einem älteren Fahrer, die sind zuverlässiger und fahren besser. Die Fahrt von der Avenida Arequipa nach St. Clara darf höchstens 15 Soles kosten, besser immer abgezähltes Geld abgeben, der Rucksack sollte besser vorne getragen werden-mas seguro! Der Metro-Supermarkt ist billiger als E.-Wong. Die Vorwahl 1977 erlaubt es, recht günstig nach Deutschland zu telefonieren. Lucumar-Eis schmeckt lecker, eine Chirimoya ist köstlich und morgen koche ich Huancaina für Euch.
Frau Pérez Alvarez gab uns 1000 und mehr Tips, wie wir uns in dieser 9-Millionen-Metropole zu recht finden konnten.
Während meines ganzen Aufenthaltes in Peru wurde ich nicht bestohlen, so viele Menschen traf ich, die überaus freundlich, hilfsbereit und auch immer sehr an Deutschland und Europa interessiert waren. "Sprechen Sie doch mal etwas auf deutsch, wie ist es in Ihrem Land, wie sind die Menschen, das Klima........", unaufdringliche, nette Fragen während irgendwelcher
Busfahrten.
Ja und Vida Nueva habe ich für mich und die Kinder, die dort sind, wie eine Oase in dieser großen Stadt empfunden. Für 2 Monate war das Zentrum mein zu Hause. Angefangen vom
Hausmeisterehepaar Viktor und Carmen mit ihren Kindern, den Lehrern, Vicky, Olga, Karen, Lidia und Jimi, dem Logopäden, die alle mit großem Engagement arbeiten,
Mayte, der Sekretärin, die Eltern und Angehörigen der Kinder sind mir alle in dieser kurzen Zeit so ans Herz gewachsen, dass mir der Abschied, als Kerstin und Astrid kamen, schwer wie selten in meinem Leben gefallen ist.
Wie wenig konnte ich tun, wo so viel Hilfe für Renzo, Daniel, Marisol, Kevin....... mit ihren wirklich gravierenden Behinderungen und ihren Familien nötig ist. Es fehlt an Hilfsmitteln, Medikamenten zur Erleichterung der Behinderung und gegen alle möglichen Krankheiten der Armut (Würmer, herabgesetztes Immunsystem u.a.), Kleidung, Essen und immer Geld, um auch dringende Operationen zu ermöglichen.
Trotzdem gab es diese große Dankbarkeit für so wenig. Das Strahlen von Diana, wenn sie zur Behandlung kam, Marios von Herzen kommende Umarmungen, Carmens nettes freundliches "Buenos días, senora" und vieles, vieles andere ließen in mir ein fast noch größeres Gefühl des Beschenktseins entstehen. Die besondere Arbeit mit den Kindern, die Gespräche, Offenheit, das Interesse und die Herzlichkeit der Leute haben meine Zeit in Vida Nueva zu einer ganz besonderen gemacht.
Trotz aller Widrigkeiten, mit denen die Menschen dort zu kämpfen haben, habe ich so viel Lebensfreude, Mitmenschlichkeit und Herzlichkeit erfahren wie nur selten.
Ich hoffe ich kann mir diese Erinnerung noch lange lebendig halten.
Sollte sie irgendwann mal verblassen, muss ich wieder nach St. Clara, zu Frau Pérez Alvarez und den besonderen Kindern in Vida Nueva.

(Dagmar Ohlwein, 48 J., Physiotherapeutin) Duisburg, im Dezember 2002

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