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27.September 2006

2.ter Bericht von Melanie Sennert

Man, man, man..... Die Zeit rast einfach so davon. Schon wieder drei Wochen vorbei, aber diesmal kann ich sagen es war ein bisschen ruhiger (was nicht heißen soll, das es mir vorher weniger gefallen hat, im Gegenteil).

In der Woche vom 27. - 30. September war ich mit Sra. Karin und ihrer Jugendgruppe aus der Kirche auf den Jugend-Kirchentag Lateinamerikas hier in Lima. Eine riesen Veranstaltung mit Live-Konzerten, Arbeitsgruppen zu bestimmten Themen und Vorträgen. Auf meinem Heimweg wurde ich dann am Montag beinahe bestohlen. Zwei kleine Jungs im Alter von vielleicht 7 und 10 Jahren wedelten mit einer Tüte Bonbons vor meiner Nase und obwohl ich all das ja eigentlich schon kenne, hatte der kleine dann blitzschnell seine Hand in meiner Tasche um mir mein Kleingeld - den Rest habe ich immer gut versteckt- zu klauen. Glücklicherweise war ich aber darauf vorbereitet und konnte den Jungen blitzschnell packen und mein Geld zurück erobern. Erbost brüllte ich dann noch hinterher " Diese Kinder stehlen!" und die Jungs verschwanden nach einer Schrecksekunde über die doch nicht so dumme Touristin um die nächste Ecke. Leider haben mich dann am zweiten Tag des Kongresses Kopfschmerzen und Magen-Darm Probleme gepackt und so verbrachte ich den Dienstag statt mit Karin und ebenso den Feiertag am Mittwoch im Bett.

Am Donnerstag konnten mich die Kopfschmerzen dann aber nicht mehr im Bett halten, denn ein Ausflug in das Zentrum von Lima mit den Klassen von Sra. Olga und Sra. Vicky war geplant. Mit insgesamt etwa 18 Kindern sind wir am Morgen zu dritt losgezogen und am Nachmittag um halb sechs wieder, zum Teil sehr müde, zurückgekehrt. Insgesamt war es ein sehr schöner Tag mit Besichtigung des Klosters Santa Rosa de Lima, der zu Ehren am Mittwoch Feiertag war. Neben dem Kloster gab es noch einen kurzen Spaziergang in einem Park mit Statue Franzisco Pizarros und eine Führung im "Museo de la Santa Inquisition". Anschließend sind wir dann mit allen Kindern "Pollo a la Brassa" – Brathähnchen - essen gegangen, sehr zur Freude derer, die sich nach dem Essen noch an den Spielgeräten austoben durften. Zum Schluss wurde dann noch eine Runde über die "Plaza de Armas" gedreht und mit dem Bus zurück zur Schule gefahren. Dabei war letztendlich dann das Verhandlungsgeschick von Sra. Vicky gefragt um für alles einen möglichst günstigen Preis auszuhandeln, denn einige Kinder konnte ohnehin schon nicht am Ausflug teilnehmen, weil den Familien das Geld fehlte und was für uns wenig erscheint – nicht einmal 5 Euro - ist hier eine für manche Familien eine nicht aufzubringende Summe. Auch war ich überrascht, dass während des ganzen Ausflugs nicht ein einziges Kind verloren ging, nicht in den (öffentlichen) Bus ein- oder wieder ausgestiegen ist oder sich auf eine andere Art und Weise daneben benommen hat. In Gedanken an meine Ausflüge zu Schulzeiten ein gutes Ergebnis.

Freitag haben wir dann Sra. Rosa und die Kinder in den Zirkus eingeladen, der hier in Santa Clara gastierte. Dabei haben wir uns dann mehr über Elicet, die begeistert mitfieberte und den Clown während eines Boxkampfes eifrig mit "pega! pega!"- schlag zu! schlag zu!- anfeuerte, amüsiert als über die Show an sich. Angesichts dessen, das mein letzter Zirkusbesuch wohl schon etwa 15 Jahre zurück liegt, ein schöner Abend der mal wieder gezeigt hat, wie einfach es ist den Kinder und einer so tollen Familie wie der von Sra. Rosa und Sr. lberto eine kleine Freude zu machen.

Am Sonntag fuhr ich dann zum Flughafen um die neue Volontärin Verena abzuholen. So waren wir einige Tage zu viert im Centro, ehe die Mädels am Donnerstag nach Ecuador abreisten.

Manolos Geburtstagsfeier am Dienstag darf natürlich auch nicht vergessen werden. Dazu brachte seine Oma und eine Cousine Kuchen, Mazamorra - eine Art roter Wackelpudding aus schwarzem Mais und Früchten - und Luftballons mit. Jedes der Kinder steuerte dann noch Popcorn und andere Knabbereien bei, so dass es ein buntes Fest mit Musik, Tanz und Leckereien wurde.

Seit sich die Mädels auf die Reise gemacht haben, arbeite ich nun nicht mehr mit Sra. Karin in der Klasse, sondern unterstütze Verena bei der Therapie. Auch ich werde dabei ab und an mit therapiert, so dass ich am Ende meines Aufenthaltes wohl so aufrecht wie nie zuvor sitzen werde.

An der Arbeit mit den Kindern in der Therapie habe ich mittlerweile genau so viel Spaß wie im Unterricht mit Sra. Karin. Manchmal packt mich regelrecht der Ehrgeiz wenn Yoel oder Marisol auf dem Plan stehen. Mittlerweile können auch die beiden, doch höchst unterschiedlichen Kinder, mich genau so wenig aus der Ruhe bringen wie Kenyi. Mit der Zeit habe ich halt doch dazu gelernt und mir von Sra. Karin auch einige Tricks abgeschaut um an mein Ziel zu kommen. So habe ich Kenyi richtig ins Herz geschlossen und bin auch dann die Ruhe selbst, wenn es heißt wir gehen mit "Chaos- Kenyi" einkaufen um anschließend zu kochen. Ich vertraue jetzt auch mehr in die Fähigkeiten der Kinder, wenn zum Beispiel Manolo, der nie dorthin schaut wo er gerade arbeitete oder auf das was er gerade macht, mit dem großen Küchenmesser bewaffnet Brot schneidet oder Speck hackt. Auch Geduld zu haben habe ich hier erst richtig gelernt. Mittlerweile merke ich schon gar nicht mehr wenn es 15 Minuten dauert bis Manolo aus einem Stück Knete eine Kugel geformt hat. Im Gegenteil. Ich freue mich, dass er es endlich gelernt hat.

So erfreue ich mich jeden Tag an den kleinen Dingen des Lebens. Wenn ich morgens die Treppe runter komme und Giuliana, Elicet oder Kenyi freudig angestürmt kommen, mich umarmen und meine Namen rufen. Ja, wenn Giuliana (sie nennt alle tia oder prima) meinen Namen sagt, dann war das schon ein guter Tag, denn dann habe habe ich das Gefühl, dass ich nicht umsonst hundertmal gesagt habe "No soy tia, ni prima- Ich bin weder Tante noch Cousine- Ich heiße Melanie".

Wenn Kenyi ganz von selbst seine Kekse mit Juan Carlos teilt, weil der sein Frühstück vergessen hat. Wenn ich auf dem Weg in den Therapieraum an der Klasse vorbeikomme und höre "Melanie, komm rein. Nur ein bisschen. Bitte". Wenn Yoel macht was wir möchten. Wenn Marisol am Montag in der Sportstunde rennt und lacht, statt sich stur hinzustellen und nichts zu machen. Wenn die Kids aus der Religionsrunde mich und meine Familie morgens ins Gebet mit einschließen. Oder wenn einfach die Sonne scheint.

So genieße ich hier jeden Tag mehr und das nicht nur weil jetzt langsam die Sonne rauskommt. Ich habe hier so viele Menschen kennen gelernt und in mein Herz geschlossen, dass ich am liebsten gar nicht mehr weg gehen würde. In diesem Sinne

Hasta pronto und bis zum nächsten Bericht

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