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28.September 2006

1.ter Bericht von Verena Schmalz

Nach all dem Stress der letzten Wochen und Monate, all den Vorbereitungen die ich für meine 4 Monate in Peru zu treffen hatte, konnten mir 3 Stunden Wartezeit wegen einem ”kaputten¨ Flugzeug in Atlanta auch nichts mehr anhaben, denn erst auf diesem Flug wurde mir so richtig bewusst, dass ich jetzt an den Ort fliegen würde, von dem ich schon so oft und solang geredet hatte und ich wurde von Minute zu Minute aufgeregter.
Natürlich waren dann in Lima meine Gepäckstücke mit die letzten, die vom Fliessband ausgespukt wurden und so mussten Melanie, Julio und Carlos noch länger warten als sie es wegen der Verspätung ohnehin schon getan hatten.
Ich war so müde, aber auch so aufgeregt und dann stehen da am Ausgang hunderte von Leute mit Schildern und ich fühlte mich ein bisschen verloren, aber Melanie hatte zum Glück ihre kleine Deutschlandfahne mitgenommen und auf die bin ich dann einfach zielstrebig zugelaufen.
Irgendwann gegen 2 Uhr am Morgen lag ich dann in einem der Betten im Centro in Santa Clara.
Ich bin zwar mehr als 2 Tage am Stück unterwegs gewesen, aber war natürlich am nächsten Tag sofort wieder auf den Beinen, denn es galt ja viele neue Leute kennen zu lernen. Melanie hat mir das Centro gezeigt, die Lehrer und Kinder vorgestellt, wo alles ist, wie alles läuft und der Rest würde sich dann eh von selbst ergeben.

Zur Freude aller hatte an meinem ersten Tag im Centro Manolo (Karin’s Klasse) Geburtstag, viele Kinder und auch Manolo’s Oma und Schwester waren in Karin’s Klassenzimmer und haben gefeiert und getanzt, und mittendrin Manolo. Es war sehr lustig anzuschauen.

Ich bin dann natürlich immer mit bei Lea und Julia gewesen um die Kinder in der Therapie kennen zu lernen (intern wie extern) und um zu sehen, was bisher gemacht wurde. Aber es wird ja auch sehr gut Buch darüber geführt.

Anfangs bin ich nachmittags meist sofort ins Bett gefallen und habe erstmal wieder ein paar Stündchen geschlafen. So schlimm war das bei mir noch nie nach so einem Flug.

In dieser ersten Woche war ich auch einmal mit Karin und Melanie bei Hausbesuchen die ab und zu von den Lehrern gemacht werden. Wir hatten da gleich zwei vollkommen unterschiedliche Wohnsoziale Situationen.
Beim ersten sind wir in die Berge hinaufgestiegen und standen am Ende vor einem winzigen kleinen Holzbau mit einem Schloss dran. Klo außerhalb vom Haus, kein Strom usw., und der andere Hausbesuch wohnte in einem hübschen Haus hinter einer Absperrung mit Licht, einem Computer, Drucker, Fernseher usw., Vorzüge, die die wenigsten Familie der Kinder des Centro’s und sowieso dieser Gegend haben.

Am Wochenende haben Melanie und ich uns dann in die Sonne gesetzt und Wäsche gewaschen, mit Holzbrett und so. Wenn keine Waschmaschine im Haus ist, muss man eben zu altbekannten Mitteln greifen.
Elizet (die Tochter von Rosa und Alberto) ist uns wie immer seither hilfreich zur Seite gestanden.

An dem ersten Samstag bin ich auch zum ersten Mal mit Melanie ins Zentrum von Lima gefahren und auch gleich ans Meer.
Lima hat eine sehr schöne Innenstadt mit vielen Museen, von denen wir sicher noch einige anschauen werden in den nächsten Wochen.
Am Meer war es noch ziemlich kalt und der Wind hat uns um die Nase geweht, aber es ist in Lima sowieso immer viel kälter als bei uns hier in Santa Clara.

Am Samstagabend hat Rosa mich dann mit zum 50-Jahre Geburtstag ihres Onkels genommen.
Ich habe mich sehr gefreut, denn ich konnte endlich mal wieder mal Salsa tanzen. Und ich habe auch fleißig zur typisch peruanischen Musik getanzt.
Es war ein sehr netter Abend.

Am Montag ging dann die Arbeit richtig los!
Lea und Julia waren weg und ich hatte Melanie gebeten in der ersten Woche den ganzen Tag mit in die Therapie zu kommen. Eigentlich ist sie ja gar keine Physiotherapeutin, aber sie spricht viel besser Spanisch als ich und für einige Patienten sind einfach zwei Personen nötig.
Deshalb bin ich auch sehr froh, dass sie wahrscheinlich bis November bleibt und nicht nur bis Oktober, denn sonst wäre ich für einen Monat ganz allein hier.
Und es wäre nicht nur in der Therapie nicht schön völlig allein im Centro zu sein.

In den Therapien läuft es eigentlich ganz gut. Wir haben zwar auch schon so unsere Lieblinge gefunden, also die bei denen man immer ruhig bleiben muss und das Lächeln im Gesicht halten muss auch wenn es manchmal schwer fällt.

Aber unser Highlight der letzten Woche war am Donnerstagmorgen 9Uhr Sadhid:
kaum hatten wir sie auf den Boden gelegt, gab sie uns zu verstehen, dass sie auf Toilette müsse und ich schaue und dachte so, na mit Windel ist das ja alles kein Problem. Falsch gedacht: keine Windel, Mutter spurlos verschwunden, Jim ahnungslos und da standen wir nun und mussten selbst ran - vor allem in der engen Toilette. Ich weiß nicht, wie wir das gemacht haben, aber wir konnte danach wieder darüber lachen, erst war uns nämlich gar nicht danach.
Bei Sadhid haben wir jetzt auch immer wieder die Musik als Ablenkungsmanöver genutzt und mit und für sie gesungen (es hört uns ja hoffentlich keiner) und auch den Pezziball in der Therapie akzeptiert sie gut.

Yoel war die ersten Male sehr brav und ich hoffe, ich lerne die anderen Extreme gar nicht kennen, denn mir reichen die Erzählungen darüber. Bei ihm muss man die Musik manchmal sogar ausmachen, denn letztens hat er ja mit Melanie getanzt und es war danach nicht mehr wirklich möglich mit ihm zu arbeiten, er wollte lieber 5x am Stück “La camisa negra”¨ hören, na gut, alles ist besser als rumschreien!

Mit Renzo haben wir im Langsitz und auf dem Pezziball gearbeitet. Lucy hat für ihn gesungen, denn die Hoppa Hoppa Reiter-Songs auf Deutsch kennt er ja nicht. Obwohl der Effekt unserer Bewegungen derselbe ist.

Luis Fernando ist für mich echt schwierig, denn sobald man ihn auch nur ein bisschen bewegt, aus seiner geliebten Mitte heraus, jammert er sofort herum und die Mutter denkt sicher nur Schlimmes von uns, auch wenn wir ihr erklärt warum wir ihren Kleinen “ärgern¨, genau wie es alle anderen vor uns sicher auch getan haben, aber ich weiß nicht, ob sie es wirklich versteht. Sie setzt mit den Spielzeugen immer extreme Reize die bei ihm seine Pathologien hervorrufen, anstelle diese zu verringern.

Rebecca war erst einmal da und auch sie hatten wir neben der Rückenlage auf dem Pezziball gehabt. Ging auch ganz gut. Schauen wir mal wie das bei ihr weitergeht.

Zu Marisol hab ich Guiliana (auch aus Karin’s Klasse) dazu genommen, um denselben Anreiz zu haben wie bei Manolo durch Juan Carlos. Und es klappt sehr gut. Letztens haben wir Domino gespielt und plötzlich wollte unsere kleine Prinzessin mal wieder nicht mehr spielen. Wir konnten reden wie wir wollten, und dann geht Guiliana hin, drückt ihr eine neue Karte in die Hand, ich weiß nicht ob oder was sie noch zu ihr gesagt hat, aber es hat funktioniert. Sie kam dann sogar noch kuscheln. (siehe Fotos)

Naile nehmen wir nur noch einmal pro Woche zur Therapie dran, denn bei ihr sieht man einfach dass sie die Therapie mehr als Zwang sieht und überhaupt nicht mitmacht. Aber sobald sie mit den anderen draußen ist, rennt sie durch die Gegend und tut alles was wir gerne hätten in der Therapie.
Also soll sie lieber einmal mehr rausgehen, als das wir sie zwingen. Wir haben das mit Jim abgesprochen.

Beatrice, bei ihr ist es wichtig, dass sie immer im Langsitz sitzt während des Spielens (haben wir auch der Mutter noch mal gesagt) denn sonst tut einem schon beim Hinschauen der Rücken weh. Und wir haben z.B. auf dem Pezziball herumgeturnt, zusammen mit Elizet (die beiden sind Cousinen) um u.a. auch ihre Bauchmuskulatur wieder etwas zu aktivieren. Was wir nicht wussten war, dass Elizet immer die Schule geschwänzt hat während dieser Zeit.

Shirley war auch erst einmal da. Auch sie finde ich schwierig, wenn man noch nicht lange und intensiv mit Kindern gearbeitet hat, aber ich werde mein Bestes geben.

Bei allen anderen gibt es nicht soviel Neues zu berichten: Juan Diego ein Lächeln abzulocken ist sehr schwierig, aber wir werden nicht aufgeben.

Giovanni ist auch eine Herausforderung, denn man kann sehr viel mit ihm machen.

Alejandro hat sich beim ersten Mal (Bauchmuskeltraining auf dem Schaukelbrett) die anderen Therapeutinnen zurückgewünscht.

Es macht einfach großen Spaß mit allen von ihnen!

Am Freitag war Elternsprechtag und ich habe mich kurz den Eltern vorgestellt, war ja wieder mal alles halb so schlimm wie ich vorher gedacht hatte.

Gestern waren Melanie und ich in Miraflores, haben die beiden kleinen Ruinen angeschaut die mitten in der Stadt stehen, zwischen Hochhäusern.
Einmal Huaca Pullana und Huallamarca, das Lustige war auch das die Hälfte der Taxifahrer diese Museen nicht mal kannte. Aber es war sehr interessant. Klein, aber fein!

Und gestern Abend waren wir oder besser ich dann zum ersten Mal im Kenko (Disko) hier in Santa Clara. Ich fand’s gar nicht schlecht. Vor allem ist es sehr schön, wenn man sicher sein kann, dass nichts passiert, anders als wenn man in Lima weg geht. Hier haben wir zwei Blocks zu gehen und sind im Centro wo wir dann leider noch den armen Alberto aus dem Schlaf klopfen mussten, aber wir haben es noch nicht ganz so oft gemacht.

Und hier sitze ich nun am Sonntag genau 3 Wochen nach meiner Ankunft hier im Centro und schreibe meinen ersten Bericht.
3 Wochen die natürlich wieder mal wie im Fluge vergangen sind.

... und morgen geht’s schon wieder auf in die nächste Woche! ...

Liebe Grüße aus Lima
Verena

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