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21.Juli 2007

Abschlußbericht von Sandra Weber

Als ich mich vor knapp 7 Monaten auf den Weg nach Perú gemacht habe, wusste ich kaum, was mich erwartet, denn was weiß man schon von Perú außer Machu Picchu und die Informationen, die ich übers Centro hatte??? Zumal mein Abflug recht kurzfristig 5 Wochen nach dem Infotreffen war. Umso erstaunter war ich, wie schnell ich mich hier eingelebt habe. Die 4 Wochen Sprachkurs in Cuzco vergingen wie im Flug und dann begann schon meine Zeit im Centro. Erstaunlicherweise konnte ich mich da sogar schon auf Spanisch verständlich machen, was ich vorher doch bezweifelt hatte. Auch wenn am Anfang, aufgrund der Ferien, kaum Kinder zur Therapie kamen, hat die Arbeit immer Spaß gemacht. Jedes Kind für sich hat einfach etwas Besonderes und Liebenswertes! Obwohl wir am Anfang bei einigen neuen Kindern etwas hilflos waren, wie wir ihnen helfen können, war es doch am Ende umso schöner, kleine Erfolgserlebnisse zu sehen, z.B. als unser Ferienkind David uns nach stundenlangem Geschrei fast klaglos an seinen Beinen arbeiten ließ oder dass Rolando, der uns am Anfang gar nicht beachtet hat, uns nun anschaut und mit uns Ball spielt. Das war unter anderem auch deshalb möglich, weil wir hier völlig freie Hand hatten unsere Ideen umzusetzen und die Zusammenarbeit mit den Lehrern so gut war. Diese haben sich immer Zeit für unsere ständigen Fragen und Anliegen genommen. Am Anfang war ich doch etwas skeptisch, dass wir hier mit vier Volontären leben und arbeiten würden, wo das Zimmer nicht so groß ist und nur ein Therapieraum vorhanden war. Doch wir haben uns gut arrangiert und es wurde noch ein zweiter Therapieraum geschaffen, sodass die Kinder parallel Ergo- und Physiotherapie erhalten konnten. Nach den langen Ferien wurde uns bei vielen Kindern bewusst, wie wichtig die Schule und der geregelte Alltag für sie sind. Daniel, der in den Ferien alles verweigert und auf den Boden gespuckt hat, war auf einmal viel leichter zu motivieren und Joseph hat aufgehört zu weinen, wenn seine Mutter ging und wurde viel selbstbewusster. Deshalb fanden wir es umso schlimmer, dass die Ferien aus Geldmangel so lang waren und hoffen, dass sich mit unserer Patenaktion die finanzielle Lage verbessert und die Kinder nächstes Jahr länger in die Schule gehen können.
Was mich insgesamt an Perú beeindruckt hat, ist die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen, die oft so wenig haben, aber anstatt zu jammern, laden sie einen noch zum Essen ein. Auch wenn ich immer wieder vor Überfällen gewarnt wurde, und Horrorgeschichten erzählt bekam, hatte ich das Glück nur positive Erfahrungen zu machen. In meiner Reisezeit – in der ich zusammen mit meiner Mutter den Süden Perús erkundet habe – hatten wir immer wieder schöne Erlebnisse, die die Gastfreundlichkeit unter Beweis gestellt haben. Woran ich mich wohl noch lange erinnern werde, ist z.B. die improvisierte Hochzeitsfeier, die aufgrund einer gesperrten Strasse mitten in der Einsamkeit der Anden stattfinden musste. Als wir neugierig nähertraten, wurden wir direkt eingeladen mitzutanzen und bekamen einen Hochzeitskeks in die Hand gedrückt. Für mich persönlich war es ein einmaliges Erlebnis, nähere Einblicke in eine Kultur zu bekommen, die an manchen Stellen ganz anders und dann doch wieder so ähnlich ist. Natürlich habe ich mich auch oft über die Unpünktlichkeit der Peruaner aufgeregt oder dass Post, Internetcafé oder Läden einfach mal zu haben, aber mit der Zeit lernt man selbst das gelassener zu sehen. Im Moment werde ich täglich gefragt, ob ich mich auf zu Hause freue, aber irgendwie ist das noch so weit weg, dass ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, bald wieder in Deutschland zu sein. Zumindest weiß ich allerdings, was ich vermissen werde:
- die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen
- die Kinder !!!
- alle Mitarbeiter des Centros, die sich immer so fürsorglich um uns gekümmert haben
- die Wochenendausflüge in die Umgebung
- unsere Volontärs-WG
- die häufigen Busverbindungen (jede Minute ein Bus)
- Spanisch zu sprechen
- Täglich Avocado, Maracuya, Mango etc essen zu können

Was ich nicht vermissen werde:
- den Lärm und Gestank Limas
- immer 1 Std in die Innenstadt fahren zu müssen
- das Lima-Winter-Wetter
- den Angstschweiß, der sich beim überqueren einer Hauptstrasse bildet

und worauf ich mich zu Hause freue:
- meine Freunde und Familie wiederzusehen
- richtiges deutsches Brot
- Spaziergänge im Wald
- Eine Badewanne

Im Moment würde ich mir wünschen noch etwas länger hierbleiben zu können, aber trotzdem bin ich sehr froh überhaupt die Gelegenheit gehabt zu haben hier gewesen zu sein. An dieser Stelle also noch mal ”¡Muchas gracias!” an alle, die meinen Aufenthalt so unvergesslich gemacht haben!!!!!

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