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Berichte

05.Oktober 2007

1. Bericht von Katharina und Monika

Jetzt sind wir also auch schon vier (Monika) bzw. fünf (Katharina) Wochen hier in Santa Clara. Letzte Woche ist Franziska Kenk auch aus Cuzco von ihrem dreiwöchigen Sprachkurs wieder zurückgekehrt, so dass wir jetzt in dieser Konstellation bis Weihnachten zusammenarbeiten (zwei Physiotherapeutinnen und eine Ergotherapeutin).
Wir sind im Centro von allen sehr herzlich aufgenommen worden, einige Kinder begrüßten uns gleich mit feuchten Küssen und andere waren etwas zurückhaltender. Aber die allgemeine Herzlichkeit hat unseren Einstieg hier sehr leicht gemacht.
Von den schrecklichen Bildern des Erdbebens, die kurz vor unserer Abreise zu Hause im Fernsehen zu sehen waren, war hier nichts offensichtlich. Sehr wohl steckte der Schreck noch in allen Knochen, was sich bei jedem Einkauf zeigte, wo das Erdbeben das Gesprächsthema Nummer eins war. Wirklich viel ist in Lima selber aber zum Glück nicht passiert. Wirklich schlimm war es dagegen im Süden Perus, in Pisco und Ica. So konnten wir hier in den normalen Alltag einsteigen.
Um die Kinder und die Schule alle kennen zu lernen, haben wir erst die Klassen einzeln besucht und sind dann von Sara ausgezeichnet in die Therapie eingeführt worden. So dass wir jeweils nach einer Woche selbständig Therapien durchführen konnten. Auch wenn noch nicht alle Kinder bekannt waren, haben wir uns schon ganz gut zurechtgefunden. Jetzt kennen wir alle Kinder und können Franziska einführen!
Das Klima war das Einzige, was nicht so einladend war zu beginn. Aus dem europäischen Sommer kommend, setzte uns die kalte Feuchtigkeit, die in alle Knochen zieht, doch erstmal zu und wir hatten Mühe uns warm zu halten. Aber jetzt wird es jede Woche etwas wärmer. Und hier in Santa Clara dürfen wir uns ja auch gar nicht beschweren, im Gegensatz zum Zentrum Limas bekommen wir nach dem morgendlichen Nebel die Sonne wenigstens doch mal zu Gesicht.
Auch unsere Mägen haben sich, nachdem sie jeweils einmal rebelliert haben, hoffentlich mittlerweile an das köstliche peruanische Essen gewöhnt.

Nach kurzer Zeit lernten wir dann auch die ehemaligen Volis Nora Gerstenberg und Anabel Lomba kennen, welche auf ihrer Reise durch Peru einen Zwischenstopp im Centro eingelegt hatten und nun den Norden Perus erkunden.

Anabel und Nora haben ja schon in Deutschland Spenden gesammelt und wollten mit dem Rest Juan Unocc eine Therapie seiner chronischen Rotznase zukommen lassen. So waren Marcela (Schwester von der Leiterin Marlene Pérez Brockert) und ich (Katharina) mit Juan und seiner Mutter im Kinderkrankenhaus in Lima. Das war ein Erlebnis! Ich habe mir nicht vorstellen können, dass man so lange in jeglichen Schlangen anstehen kann. Als wir nach vier bis fünf Stunden wieder draußen waren, ist er kurz von einer Ärztin untersucht worden, haben wir ein paar unfreundliche Mitarbeiter erlebt, Freundschaften mit Mitwartenden geschlossen und es wurde ein Röntgenbild gemacht. Jetzt sind wir mal auf die Ergebnisse gespannt, um zu sehen was weiter passieren muss. Leider gestaltet sich der Abschluss einer Versicherung, die die Kosten für die Behandlungen übernehmen würde, schwieriger als gedacht. Die Diagnose einer “einfachen” Sinusitis scheint als Überweisungsgrund nicht auszureichen, um im Kinderkrankenhaus umsonst behandelt zu werden. Wir hoffen jedoch auf die ersten Ergebnisse der Diagnostik, die bestätigen müssten, dass es sich nicht um einen einfachen Schnupfen handelt. Juan hat seit sechs Jahren eine Schnupfnase und kann kaum durch die Nase atmen.

Die Wochenenden verbrachten wir bis jetzt ganz unterschiedlich und keines war wie das andere. Vor einer Woche zum Beispiel lud uns Sr. Alberto (der Hausmeister) am Todestag seiner Mutter ein, ihn und seine Familie am Morgen zum Friedhof zu begleiten und am Abend zuerst in die Kirche und danach zu seiner Schwester zu kommen. Dort gab’s dann typisch peruanisches Essen, nämlich Meerschweinchen mit Reis und Kartoffelpüree und zum Trinken Chicha, ein aus Mais gegorenes alkoholhaltiges Getränk. Anschließend an das Essen wurde dann natürlich getanzt und wir kamen so zum ersten Mal in den Genuss von Folkloremusik und Tänzen aus Cajamarca, einer Andenstadt im Norden Perus. Natürlich durften wir nicht von unseren Stühlen aus zusehen, sondern wurden sogleich zum Mittanzen aufgefordert. Das war ja ein Spaß :-).

Saras Zeit in Peru rückte nun auch immer mehr dem Ende entgegen. Schade, denn es war eine schöne (wenn auch kurze) Zeit mit ihr und ich (Moni) war sehr froh, wenigstens für die Anfangszeit noch eine Ergokollegin hier zu haben. Am vergangenen Mittwoch fand dann im Gemeinschaftsraum eine kleine Abschiedszeremonie mit allen anwesenden Kindern und Lehrern statt. Nach Saras Kuchen und Coca Cola für alle wurde dann natürlich getanzt. Anschließend an die Schule hat Sara noch ein Essen für Lehrer und Freunde vorbereitet, um sich so von allen zu verabschieden. Um Sara noch einen kleinen peruanischen Abschied zu bereiten, haben wir Pisco Sour für alle gemacht.

Heute Donnerstag findet nun die “entrega de libretas” statt, d.h. die Eltern erhalten eine Art Zeugnis ihres Kindes, aus dem hervorgeht, was es gelernt und welche Fähigkeiten es mittlerweile erworben hat. Bei der Übergabe erhalten die Eltern von den Lehrern/innen zudem noch weitere zusätzliche mündliche Informationen, so dass die Eltern eine Übersicht bekommen und erfahren, wie sie ihr Kind auch zu Hause unterstützen und fördern können.

Für uns bedeutete dies einen zusätzlichen Tag frei, den wir außerhalb von Lima an der Sonne verbrachten und dabei unseren ersten Bericht schrieben.

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