Vida Nueva Logo

Aktuelles

Berichte

14.Juni 2008

Abschlussbericht von Katharina von Schultzendorf

Schon bin ich einmal quer durch Deutschland gereist, habe einige Freunde wiedergesehen, erste Bewerbungen sind geschrieben… Also das Leben hier in Deutschland geht irgendwie weiter. Und trotzdem ist die Zeit in Perú und VIDA NUEVA noch täglich bzw. minütlich sehr präsent. Das wird wohl noch lange dauern, bis ich mich wieder richtig eingelebt habe und nicht jeder Moment in irgendeiner Weise von den 1000 Erfahrungen und Erlebnissen, die ich machen durfte, geprägt ist. Sehr präsent sind dabei die teils wehmütigen Erinnerungen an die vielen sehr liebenswerten und herzlichen Menschen, die meine Zeit in Perú zu der so unvergesslichen und beeindruckenden Erfahrung gemacht haben:
Ich denke dabei an Lucy (Pflegemutter von Renzo, einem Kind mit Tetraplegie), durch die ich einen sehr tiefen Einblick in das wahre Leben von St. Clara bekommen konnte, das nicht immer so farbenfroh und auf ihre Art glücklich ist, wie es auf den Strassen durch bunte Kleider und lebendige Marktszenen vielleicht manchmal den Anschein macht.
Ich denke an das ganze VIDA NUEVA-Team, das mir zu jeder Zeit und bei allen möglichen Problemen geduldig und immer hilfsbereit zur Seite gestanden hat. Wir konnten herzhaft zusammen lachen, tratschen, organisieren, Problemchen lösen… ich habe mich einfach immer voll aufgehoben gefühlt (auch wenn die sprachliche Barriere anfängliche Schwierigkeiten bereitet hat. So war es aber am Ende dafür umso schöner zu merken, dass man sehr viel mitbekommt und versteht!).
Auch denke ich natürlich an die vielen kleinen und größeren Kinder, die einem jeden Morgen mit ihrem Strahlen wieder das Herz geöffnet haben. Am Anfang war ich völlig überfordert mit so vielen komischen Namen, die wie neue Vokabeln für mich waren und so vielen sich ähnelnden Gesichtern. Die Ähnlichkeit der Gesichter hat sich mit näherem Kennenlernen schnell verflüchtigt. So hat jedes einzelne Kind seine ganz persönliche Besonderheit, die ich so lieben gelernt habe und die ich jetzt so vermisse. Wenn ich mir heute die Fotos ansehe, so scheint es förmlich aus dem Bild rauszurufen “no Mini, no!” (Daniel) oder es laufen wieder sehr eindrucksvoll gespielte Handytelefonate oder Mordszenen im Klo ab (Edwin). Die Kinder sind mir gerade aufgrund ihrer “Especialidad” (wie im spanischen die Behinderung genannt wird) sehr ans Herz gewachsen. Auch wenn sie teilweise nicht die gewünschten Fortschritte gemacht haben und am Ende immer noch ihren Dickkopf durchgesetzt und einen an der Nase herumgeführt haben (Karla). Andere dagegen, wie Ela und Melanie, machen immer wieder große Fortschritte. Das Arbeiten hat immer Spaß gemacht und ich habe im Umgang mit Kindern und in deren Behandlung sehr viel dazugelernt. Den Kindern beim mittwöchlichem Tanzen zuzusehen war einfach klasse, diese Bewegungskunst auf Musik, der sonst teils unbehänden Kinder, ist der beste Beweis dafür, dass den Latinos der Rhythmus wirklich im Blut liegt. Es war so schön zu sehen, wie frei und gemeinschaftlich sie sich, nicht nur beim Tanzen, sondern auch im ganzen Zentrum bewegen können. Gerade die Hausbesuche haben in dem Sinne deutlich gemacht wie speziell und wichtig VIDA NUEVA für die Kinder ist, wo sie nämlich noch Kind sein dürfen und einen sauberen und geregelten Alltag haben.
Des Weiteren denke ich an die vielen peruanischen Freunde, die ich kennengelernt habe und die mir speziell die Wochenenden durch Unternehmungen und Partys nie langweilig werden ließen. Besonders in der Zeit ab Weihnachten, als Franzi und Moni (die meine Zeit im Zentrum natürlich auch sehr geprägt und verschönert haben, wir haben uns einfach ausgezeichnet verstanden!) schon nicht mehr im Zentrum waren und ich allein in VIDA NUEVA gearbeitet habe, haben meine Freunde sich rührend um mich gekümmert. Durch sie habe ich nicht nur Salsa tanzen und Pisco trinken gelernt, sondern auch einen Einblick in ein anderes peruanisches Leben bekommen, nämlich in das der reicheren Bevölkerung. Dieser Kontrast zwischen Arm und Reich hat mich immer wieder in Gewissensbisse gebracht, weil ich mich in den zwei Welten einfach so hin- und herbewegen konnte, was für die allermeisten Peruaner einfach nicht möglich ist. Diese zwei Welten scheinen so unvereinbar und doch ist VIDA NUEVA der beste Beweis dafür, dass sich die einen für die anderen einsetzen. Das lässt VIDA NUEVA noch besonderer für mich und auch für Perú werden.
Alle Menschen waren stets herzlich und freundlich zu mir. Ich habe mich wirklich zu Hause gefühlt, besonders am Ende, als ich nämlich auf der Strasse, an den typischen Obst- Milchries- oder anderen Marktständen und Läden schon mit Namen angesprochen wurde. Am Ende durfte ich sogar einmal umsonst Bus fahren (der Cobrador war der Vater von Joseph). Auf diese Art habe ich gemerkt, dass mein Einsatz sogar bis zu den Eltern und der Gemeinde durchdringt, was der größte und wertvollste Lohn ist!
So wie die Menschen mein Leben und meine Eindrücke in Perú geprägt haben, so gab es auch die verschiedensten Erlebnisse, Szenen auf der Strasse wie auf den Märkten, die die Bilder in meinem Kopf über Perú beherrschen. Das Leben auf der Strasse in Lima ist wie Theater und es gab immer was zu beobachten, zu lernen und zu erleben. Es ist trotz der Armut, den Unterschieden und den Schwierigkeiten soviel Leben zu spüren, dass es mir richtig ans Herz ging. Die erlebten Momente und Gefühle waren über die gesamte Zeit, die ich da war, sehr tiefgehend und sie wurden sogar zum Ende hin immer intensiver. Ich habe mir vorher nicht vorstellen können, dass man gleichzeitig lachen und weinen kann, aber es geht! In den letzten Tagen, wenn ich durch St. Clara oder Lima ging, hat die Glücklichkeit da zu sein und zu erleben ein riesiges Grinsen in mein Gesicht gezeichnet und im selben Moment stiegen mir die Tränen in die Augen bei dem Gedanken daran, dass ich das in wenigen Tagen nicht mehr erleben darf.
Insgesamt kann ich die ganzen Erfahrungen und Gefühle gar nicht in Worte fassen, aber sie haben mich sehr bewegt und geprägt. Ich bin so froh die Chance gehabt zu haben so eine Erfahrung machen zu können und bedanke mich bei allen, besonders natürlich beim Vida-Nueva-Team, den Kindern und deren Eltern, die diese Zeit so “especial” (besonders) für mich gemacht haben.


___________________________________________________________________________

... mehr Informationen oder Beantwortung von Fragen oder Anregungen
erhalten sie über < Email >

Nach oben