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31.Mai 2008

1. Bericht von Nora Hölzer

Mein erster Bericht am 15.04.2008
Jetzt sitze ich hier in Santa Clara in dem Büro der Schule am neuen Schulcomputer und schreibe meinen ersten Bericht. Aus dem Nebenraum erschallt die Musik, die mich jetzt schon seit drei Monate hier in Südamerika begleitet und von der die Menschen hier offensichtlich nie genug bekommen. Auch nicht unsere Kinder, wie mir letzten Freitag eindrucksvoll demonstriert wurde: Es wurde der Abschied von Katharina gefeiert, und das mit ganzem Körpereinsatz: kreisende Arme, wackelnde Hüften, ein gegenseitiges Herumgewirbel mit dramatischen Aktionen in der Luft und am Boden. Auch Kinder, die ich als sonst eher verhalten, bewegungsarm und ruhig erlebe, schraubten sich zu Höchstformen empor! Ich hab’ mich schon lange nicht mehr so herrlich amüsiert, war aber beiweiten nicht so konditionsstark wie viele der Kinder.
Ja, Katharina die Physiotherapeutin hat jetzt endgültig ihr Volontariat beendet und befindet sich auf dem Weg nach Bolivien. Sie hatte ihre Reise noch mal für 2 Wochen unterbrochen um Margitta, die Ende März gekommen ist, einzuarbeiten. Ich bin jetzt seit Mitte März hier und wurde von Moni in das Leben hier eingewiesen. Ganz neu war es allerdings nicht für mich, da ich ja schon seit Mitte Januar hier in Südamerika bin. Meine erste Zeit habe ich auf Reisen und in Cuzco verbracht, um Spanisch zu lernen, was mir mehr oder weniger gelungen ist. Das heißt, für meine Arbeit mit den Kindern ist es absolute ausreichend. Da ist es sogar manchmal von Vorteil, da viele gerade verbal schnell überfordert sind und eine knappe kurze Ansage oft besser verstanden wird, als großartige Ausführungen in epischer Breite! Nur mit den großen Menschen tue ich mir oft noch schwer. Was natürlich schade ist, da ich bei den morgendlichen Lehrerversammlungen nicht immer alles verstehe und ich deswegen nicht voll und ganz in das Schulleben hier eintauchen kann. Aber diese kleinen Unzulänglichkeiten versuche ich zu kompensiere, indem ich meine Augen öffne und beobachte, was sich hier tagtäglich für Veränderungen ergeben.
So hat zum Beispiel am Montag eine neue Lehrerin angefangen, die jetzt die Kinder der Binaviv, einem Waisenhaus hier in Lima, unterrichtet. Diese Klasse wurde in diesem Schuljahr neu eröffnet. Da es in der ersten Zeit für sie noch keine Räumlichkeiten gab, wurden sie in der Aula unterrichtet, mit mehr oder wenigen regen Durchgangsverkehr. Seit ca. 1 ½ Wochen steht jetzt aber die alte Hütte der Hausmeisterfamilie für sie bereit, so dass sie etwas ruhiger lernen können.
... Was gibt es sonst noch Neues? Ach ja, Sra. Fanny die neue Psychologin betreut jetzt ebenfalls eine kleine Klasse. Bei ihr werden Kinder gefördert, die aufgrund ihres Verhaltens und Erlebens einen ganz besonderen Bedarf haben und in den anderen Klassen die Aufmerksamkeit der Lehrer voll und ganz für sich beanspruchen würden. Allerdings besuchen sie die Schule nur an zwei Vormittagen die Woche. Auch für mich gestaltet sich die Therapie mit ihnen als etwas Besonderes. Sie sind wenig planbar, unvorhersehbar, spannend und ziemlich anstrengend! Hier lerne ich, ganz klein anzufangen und meine Erwartungen herunterzuschrauben!
Außerdem bekommen jetzt die Kinder, jeweils klassenweise, einmal die Woche Sport- und Tanzunterricht bei einem Sportlehrer, der bereits Erfahrung in der Arbeit mit behinderten Kindern hat. Die Kinder scheinen alle den selben Tanz einzuüben, wogegen ja grundsätzlich nichts spricht, leider aber auch alle zur gleichen Musik, was mich an manchen Morgenden etwas mürbe macht, da die Aula, wo getanzt wird, direkt neben dem Ergoraum liegt. Da ich aber im Moment die einzige Therapeutin hier bin und es auch noch die nächsten 3 ½ Wochen bleiben werde, kann ich mich jetzt immer in den Physiotherapieraum zurückziehen, wo es doch deutlich ruhiger ist.
Margitta, die andere Ergotherapeutin, ist gerade noch in Cuzco, um Spanisch zu lernen, und wird erst in knapp 4 Wochen wieder kommen. Bis dahin bin ich mehr oder weniger auf mich gestellt, was aber natürlich meine Eigeninitiative fördert! Und am Nachmittag und Abend wird es mir hoffentlich auch nicht so schnell langweilig. Hab ja auch eigentlich genug zu tun. Schließlich habe ich die Aufgabe bekommen, alle Schüler genau zu evaluieren, um den tatsächlichen Therapiebedarf zu ermitteln. Für mich bedeutet das natürlich sehr viel Arbeit, was aber auch- gerade für mich als Berufsanfängerin- sehr positive ist, da ich mir so die Kinder ganz genau anschaue und ich die verschiedenen ergotherapeutisch relevanten Bereiche mehr oder weniger systematisch abteste, und entsprechende Ziele formulieren kann. Daneben ist es hoffentlich für die nachfolgenden Volontäre einfacher, sich schneller einzufinden und ebenfalls den Zielsetzungen angepasst zu arbeiten.
Bis Margitta wieder da ist, wird hoffentlich auch der Ergoraum fertig sein. Er ist der einzige Raum der Schule, der in den Ferien nicht gestrichen wurde. Demnächst werd en aber die Maler kommen, alle Risse ausbessern und streichen. Dann will Moni noch mal vorbeikommen, damit wir gemeinsam dem Raum den letzten Schliff verpassen können. Mittlerweile hat Sra. Marzella sogar einen Schrank organisiert. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie schnell hier alles vom Wüstenstaub verdreckt ist und wie notwendig ein Schrank mit Türen für die ganzen Spiele und Therapiematerialien ist.
Ansonsten geht’s mir phantastisch, hatte bisher eine tolle Zeit und werde hoffentlich noch eine weitere haben. Bis zum nächsten Mal….


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