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14.September 2008

3. Bericht von Nora Hözer

Bevor ich berichte was in der Zeit seit meinem letzten Bericht im Centro passiert ist, möchte ich noch nachtragend auf Ereignisse im Juni eingehen, die ich in meinem vorangegangenem nicht erwähnt habe. Es geht um die wichtigen Gesundheitsvorsorgungen, die in der Schule stattfanden. Zum einen war eine Zahnärztin vor Ort, die den Zahnstatus der Kinder begutachtete. Zum anderen wurde den Kindern und den Eltern die Möglichkeit gegeben sich gegen Hepatitis impfen zu lassen. Dieses Angebot wurde von sehr vielen wahrgenommen, wenn auch teilweise unter sehr großem Protest einiger Kinder. Ihr Weinen und Schreien war manchmal über das ganze Gelände zu hören. Aber es muss sein, um die allgemeine gesundheitliche Situation zu verbessern. Leider ist es sehr schwer diese Notwendigkeit den Kindern darzulegen.

Am 18.7.08, nur wenige Tage nach meiner Reise mit Christian, haben die Lehrer gemeinsam mit den Kindern eine kleine Parade durch Santa Clara veranstaltet. Hintergrund dessen war, den Menschen in Santa Clara zu zeigen, dass das Centro und die Kinder einen engen Kontakt zu Gott suchen und pflegen. Bis auf die kleinen Kinder aus Lidias Klasse nehmen alle Kinder am Religionsunterricht teil, der drei mal die Woche in der Frühe für alle Kinder zusammen in der Aula stattfindet. Hier beten und singen sie gemeinsam, und setzen sich mit religiösen Themen auseinander. Der Umzug, bei dem die Kinder passend zur Schuluniform, grüne Schirmmützen und farbige Luftballons trugen, führte bis zum Markt. Dort sangen die Kinder mit vollem Eifer gemeinsam für die Menschen und Gott, klatschen im, oder neben dem Takt dazu. Einige begannen sogar zu tanzen. Der Grossteil der Passanten nahm unseren kleinen Aufmarsch wohlwollend und interessiert zur Kenntnis, Viele klatschten mit als die Kinder sangen und hatten sichtlich Freude an dem, was die Kinder dar boten. Aus der Kinderschar heraus stach Kenji aus Lidias Klasse, welcher ein weißes Gewand trug und an die Menschen Zettelchen verteilte, auf denen kleine Botschaften, wie “Gott liebt Dich” geschrieben standen. Es war schön zu sehen, wie verantwortungsbewusst und ernst er seine Rolle nahm und wie die Menschen auf ihn reagierten.

Die Zeit vor dem Nationalfeiertag Ende August war mit Sicherheit eine recht interessante für die Kinder -und auch für mich. Im Unterricht haben die Kinder einiges über ihr Heimatland gelernt. In welche Teile es sich gliedert, Costa (Küste), Sierra (Bergland) und Selva (Waldgebiete), welche typischen Trachten man dort trägt und welche Speisen dort vorzugsweise zubereitet werden. Kurz vor den Ferien zogen dann die Kinder aus Olgas Klasse in den verschiedenen Trachten durch die Schule und präsentierten die landestypischen Kostüme. Kathys Kinder hatten verschiedene Gerichte aus den unterschiedlichen Regionen Perus vorbereitet, die probiert werden konnten. Sie hatten ein Buffet vorbereitet, vor jedes Gericht ein Schild gestellt, wo Name und Herkunft geschrieben stand. Eine Woche vor dem Nationalfeiertag wurden die Lehrer und ich von dem Kinderheim “Inabif” zu ihrem Nationalfeiertagsfest eingeladen, wo ein Grossteil der Kinder aus Kathys Klasse leben. Es wurden verschiedene Tänze und Lieder vorgeführt. Ilvin hatte mit einer Mitbewohnerin des Heims einen typischen Tanz aus der Gegend Cajamarcas einstudiert, den sie dann gemeinsam mit einer wunderbaren Ernsthaftigkeit vorführten. Angelo ließ sich spontan zu einer Gesangseinlage überreden, bei der er, zwar mit erheblichen Textschwächen, dafür aber mit großer Emotionalität, überzeugte. Anschließend wurde zu landestypischen Speisen geladen, die es allerdings nur für die Erwachsenen gab- für mich etwas unverständlich. Es hat sich mir nicht wirklich erschlossen, warum die Kinder hierbei nicht teilnahmen, wo es doch, zumindest in meinen Augen, ein Fest für sie war, an deren Realisation sie maßgeblich und aktiv beteiligt waren.

In der letzten Juli- und der ersten Augustwoche waren wie jedes Jahr Schulferien. Ich habe dies zum Anlass genommen, das graue Lima zu verlassen, um in der Selva Central noch ein wenig Urlaub zu machen. Dort hat es mir ausgesprochen gut gefallen. Ich konnte noch mal ordentlich Sonne, Wärme und das feuchte, saftige Grün genießen, bevor ich für meine letzten drei Wochen wieder zurück nach Santa Clara gefahren bin. Hier zeigt sich das Wetter jetzt leider außerordentlich ungemütlich. Hatte ich doch sehr viel Glück zwischen meinen beiden Reisen mit dem Wetter gehabt, so ist es jetzt damit vorbei. Überwiegend grau und feucht präsentiert es sich, die umliegenden Berge mit den bunten Häuschen können wir nur selten sehen. In den Therapieräumen müssen wir hart gegen den Matsch ankämpfen, den nicht nur die Kinder immer wieder mit reinschleppen. Auch wasche ich meine Wäsche jetzt nicht mehr selber, da sie ewig braucht um zu trocknen und anschließend alles andere als frisch riecht.

Zurzeit werden der Unterricht und die Therapien immer wieder durch Übungen für den Katastrophenfall unterbrochen. Fanny setzte den entsprechenden Alarm, woraufhin alle Kinder und Lehrer sofort die Räume verlassen müssen. Problematisch wird dies immer, wenn wir gerade Kinder in der Therapie haben, die sich bereits die Schuhe ausgezogen haben. Unter Stress die Schuhe wieder anziehen zu müssen- das können auch oft die Kinder nicht mehr, die damit sonst keine Schwierigkeiten haben. Das eine oder andere mal sind wir erst draußen gewesen, wenn der Spuk schon wieder vorbei war. Kleine und leichte Kinder tragen wir auch oft nach draußen, damit es schneller geht, bei den großen geht das aber leider nicht mehr. Außerdem haben wir Therapeuten die Aufgabe Lidia zu helfen, dass alle ihre Kleinen den Weg nach draußen finden. Gerade die kleinen Autisten fühlen sich durch den Alarm alles andere als angesprochen. Aber Unterstützung bekommt Lidia vor allen Dingen auch von Mili, die den anderen Kindern regelässig den Arm abreißt, damit sie auch ja mit rauskommen.

Am 15.8.08 wurde peruweit zu Ehren der Kinder der“Dia de Los Ninos” gefeiert. Im Centro schauten die Kinder zu diesem Anlass gemeinsam einen Kinderfilm, dazu gab es selbstgemachtes Popcorn und Softdrinks.

Sonst ist weiter nicht viel passiert. Margitta und ich arbeiten auf unseren Abschied hin, bereiten Abschiedsgeschenke und unser Abschiedsessen vor, .kümmern uns um letzte Berichte und Dokumentationen für die Übergabe an die neuen Therapeuten. Leider kommen die nächsten erst Anfang Oktober, so dass für die Kinder eine Therapiepause von einem Monat entsteht. Auch ist sehr schade, dass wir die beiden nicht mehr kennen lernen und einarbeiten können. Aber ich hoffe für sie, dass sie trotzdem gut in die Arbeit hineinfinden. Die Kinder und die Lehrer, Fanny und Marcela werden es ihnen sicherlich leicht machen.
Für mich ist die Zeit jetzt schon fast um, ich werde mit einem lachendem und einem weinendem Auge nach Hause fahren. Durfte ich hier doch so viel lernen und erleben, habe so viele nette Menschen getroffen. Aber ich freu mich auch sehr auf mein Leben zu Hause, meine Familie, meinen Freund und meine Freunde. Das Abenteuer geht hoffentlich weiter....
Bis zu meinem letzten Abschlussbericht, liebe Grüße von Nora


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