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17.Mai 2009

1.ter Bericht von Susann Köhler und Katharina Schröer

Jetzt bin ich schon über vier Wochen im Centro VIDA NUEVA (was mir nicht so vorkommt, da die Zeit hier rasend schnell verfliegt) und es gibt doch einiges zu berichten.
Ich bin froh, dass Marlene Pérez Brockert und ich uns noch zwei Wochen im Centro gesehen haben! Es hat mir den Anfang leichter gemacht und es war immer sehr schön mit ihr zu sprechen und mit Joshua (ihrem Sohn) zu spielen.
Am Tag bevor sie wieder nach Deutschland flog, gab es noch ein Fest, bei dem auch Gruppenfotos in den neuen Uniformen gemacht wurden.
In dem neuen Gebäude (Anm.: siehe Rundbrief Dezember 2008) sind mittlerweile zwei Klassenräume fertig gestellt. In einem Salon ist jetzt Nivel II (Anm.: ähnlich unserer 1. Klasse in der Grundschule), der andere Raum wird für Veranstaltungen (Morgenandacht, Tanzen ...) genutzt. Mir gefallen die Räumlichkeiten vor allem wegen der großen Deckenhöhe sehr gut.
Die Arbeit mit den Kindern ist sehr vielfältig. Von den externen Kindern(also die Kinder, die nicht die Schule besuchen, sondern nur zu den Therapien kommen) haben viele starke motorische Einschränkungen, weswegen die Therapie eher physiotherapeutisch anzusetzen ist. (Ich bin Ergotherapeutin, aber in vielen Bereichen überschneidet sich meine Arbeit mit der Physiotherapie und ich arbeite ganzheitlich, d.h. auch viel mit Bewegung, Bewegungsanbahnung, Förderung der Körperwahrnehmung usw.).
Katharina Schröer und ich planen gerade Psychomotorik-Gruppen für die internen Kinder, welche bald starten sollen.
In den Räumlichkeiten der Terapia fisica (Anm.: Physiotherapie) und Terapia ocupacional (Anm.: Ergotherapie) gibt es mehr Therapiematerial als ich dachte. Vor allem bin ich begeistert von den hier angefertigten großen Schaumstoffwürfeln und dem bequemen Sitzsack. Woran es aber mangelt, sind angepasste Sitzgelegenheiten. Für viele Kinder sind die Stühle zu hoch oder zu niedrig oder passen mit der Tischhöhe nicht zusammen. Für die Förderung der Fein- und Graphomotorik (Anm.: Graphomotorik meint die differenzierte, rhythmische Schreibbewegung. Sie stellt die feinste Koordinationsaufgabe des Menschen dar) ist es sehr wichtig, dass die Kinder entspannt sitzen können. Rafa Peza (Anm.: Ergotherapeut aus Spanien) engagiert sich sehr für die Anfertigung verstellbarer Sitzgelegenheiten und ich hoffe, dass die Ideen bald realisiert werden können. Auch einen Handlauf im Flur fände ich toll, da es vielen Kindern das Laufen erleichtern würde.
Ein wichtiges Ereignis hier war noch der “Dia de la Madre”, welcher hier im Centro schon am Freitag vor dem eigentlichen Muttertag gefeiert wurde. Alle Klassen hatten kleine Geschenke für die Mütter angefertigt, welche dann von den Kindern feierlich überreicht wurden (Anm.: In Perú hat der Muttertag eine wesentlich höhere Bedeutung und Stellenwert als bei uns in Deutschland und wird hier entsprechend zelebriert). Die Volontäre - also Katharina, Rafa und ich – machten Popcorn und bereiteten einen Bewegungsparcours vor. An einer Station konnten sich die Mütter mit ihren Kindern fotografieren lassen und die letzte Station und Aufgabe bestand darin, Popcorntüten von einer Wäscheleine zu pflücken. Die Kids waren danach alle ganz glücklich mit ihrer selbstgepflückten Popcorntüte, das war schön anzusehen!
Vor zwei Wochen fand in Lima ein Ergotherapiekongress statt, den Rafa und ich besuchten. Es war sehr interessant zu erfahren, wie die Situation der Ergotherapie in Perú und Südamerika ist. Es gab interessante Vorträge und Talleres (Anm.: ähnlich unseren Workshops). Abends sind wir immer mit einigen anderen Teilnehmern weggegangen und haben so Ergotherapeuten aus ganz Südamerika kennengelernt! Alle Leute waren total aufgeschlossen und kontaktfreudig, so dass man sehr schnell ins Gespräch kam, ganz anders als in Deutschland. Das gefällt mir sehr gut an Perú!
Momentan merkt man hier den Klimawechsel, nachts wird es oft schon richtig kalt und die Feuchtigkeit in der Luft ist recht unangenehm. Aber am Tag scheint hier in Santa Clara ja quasi immer die Sonne. Ich freu mich jeden Tag wenn ich aufwache und die Sonne so langsam hinter den Bergen hoch krabbeln sehe.
Nach einigen heftigen Magenproblemen bin ich nun langsam wieder auf dem Weg der Besserung, zwar noch mit weniger Energie als sonst, aber es geht aufwärts. Schließlich bin auch ich (Katharina) nach 3 ½ Wochen Sprachkurs in Cuzco im Centro angekommen. Am Tag meiner Anreise war ich sehr glücklich, dass Rafa und Susann mich vom Busterminal abholten, da Lima doch eine wesentlich größere Stadt ist und ich von der Busfahrt sehr erschöpft war. Bei gutem Wetter saßen wir abends gemütlich beisammen und genossen das leckere Essen von Rafa. In der Regel versuchen wir mittags und abends immer zusammen zu kochen bzw. zu essen, wobei wir oft über die Kinder, unseren Tag oder über unsere Wochenendplanung bei einer Tasse Tee /Mate de Coca plaudern.
In der ersten Woche habe ich zunächst die Kinder, das Centro, die Lehrer etc. näher kennengelernt. Ich war wirklich positiv überrascht über die Räumlichkeiten, die Ausstattung, vorhandener Ideen etc.. Meine zweite Woche begann mit einer großen Überraschung: Da ich sonntags Geburtstag hatte, bereiteten die Kinder und Lehrer mir am Montag mit Popcorn, Brot, einem Plakat und peruanischer Musik eine große Freude. Und ich musste mit Erstaunen feststellen, wie gut die Kinder tanzen konnten.
In meiner dritten Woche kam eine weitere Katharina (Katharina von Schultzendorff, eine ehemalige Volontärin) zu Besuch. Durch sie lernte ich Lima noch besser kennen und knüpfte weitere nette Kontakte. Auch hinsichtlich der Kinder gab sie uns einige Tipps und Tricks (Vojta-Griffe…).
Ich freu mich, dass es Susann wieder besser geht und wir ab nächster Woche mit reichlich Energie loslegen können.
Muchos Saludos aus Lima und bis zum nächsten Bericht.

Susann und Katharina

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