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19.November 2005

Bericht von Christine Thomsch und Julia Heiduck

Drei Wochen vor Ende unserer Zeit im Centro Vida Nueva in Lima senden wir jetzt unseren Bericht.
Zuerst mussten wir mal mit dem Staub und dem Dunst klarkommen, die hier allgegenwärtig sind. Lima an sich ist eher trist und trostlos, umso schöner erscheint einem das Centro. Die Anlage ist so liebevoll gepflegt und wirklich ein zweites Zuhause.
Unser Zimmer ist schön groß und hat für uns drei Volontärinnen ausreichend Platz. Jeder hat sein Bett mit gemütlichen Matratzen. Am Anfang waren Decken noch ein bisschen Mangelware, weil es nachts noch recht kühl war, aber mit Schlafsack und inzwischen auch ohne kamen wir gut durch die Nächte. Auch über unser Bad mit warmem Wasser sind wir sehr glücklich und ein nahes Klo war vor allem in Zeiten der Nahrungsumstellung ein Segen. Auch, dass wir die Küche benutzen konnten war wirklich toll, so haben wir am Wochenende oft zusammen gekocht. Die Ausstattung der Küche reicht gut aus. Nur die große Nudelmaschine, die nicht mehr in Betrieb ist nimmt viel Platz weg. Gelegentlich haben Mäuse und Ratten unsere Sachen angeknabbert. Der Therapieraum ist sehr gut ausgestattet, vor allem an Pezzibällen und Therapiebändern mangelt es nicht. Als Idee für folgende Volontäre:
Antirutschfolie wäre hier noch gut zu gebrauchen. Trotz guter Ausstattung fiel uns doch immer noch was ein und wir besorgten Murmeln für ein Rollbrett und Hulahup-Reifen. Für einige Kinder haben wir Hilfsmittel gebastelt, z. B. ein Fersenband für den Rollstuhl aus Theraband, was allerdings nicht so gut geklappt hat, eine Handbandage für Yoel oder eine Sitzhose für Sadhid.
Nach der ersten Eingewöhnungszeit im kalten Wasser suchten wir uns nach und nach die Kinder und lernten auch die Lehrer etwas kennen. Zuerst war auch die Stundenplankoordination etwas schwierig. Viele Kinder waren krank oder kamen einfach nicht. So hatten wir Zeit erst mal alle Gerätschaften und Spielzeuge durchzuforsten und zu putzen.
Bei Schülern wie Yoel war es toll zu sehen, wie man auch in der kurzen Zeit hier im Centro was bewegen kann. Zu Beginn war er sehr unruhig und konnte die Therapiesituation nicht akzeptieren. Seine Bandage wollte er auch immer schnellstmöglich loswerden. Inzwischen kommt er gerne zur Therapie und ist auch nicht mehr so aggressiv, hat Regeln angenommen und findet seine Bandage ganz toll.
Obwohl wir am Anfang noch Schwierigkeiten mit der Sprache hatten, war es mit den Kindern kein Problem und wir hatten viel Spaß an der Arbeit. Seit Oktober ist nun auch endlich das Auto in Betrieb.
(Anmerkung:
Der Wagen war schon im Juli 2005 im Centro. Für den Einsatz wurden aber erst mal die besten und günstigsten Routen zu den einzelnen Kindern “erprobt”. Auch musste erst festegestellt werden, wie viel Zeit benötigt wird, wie viele Kinder auf einmal mitgenommen werden können und auch wie viel Sprit überhaupt benötigt wird und mit welche Kosten letztendlich gerechnet werden muss. Des Weiteren wurden vorab spezielle Schonbezüge für die Sitze und Rücksitzbank auf Maß angefertigt.)

Die Schüler werden abgeholt und nach Hause gebracht, ebenso teilweise externe Kinder zur Therapie, was eine große Erleichterung für die Familien bedeutet. Señor Maximo wartet immer auf dem Gelände und putzt mit viel Sorgfalt das glänzende Fahrzeug, damit es nicht vom Staub übermannt wird. Am beeindruckendsten fanden wir das Engagement der Hausmeisterfamilie. Mit welcher Sorgfalt und Liebe sie jeden Tag den Kampf gegen den Staub und Dreck aufnehmen. Die ganze Familie hilft mit. Der Sohn Alex geht mittags erst zur Schule und arbeitet vormittags auf dem Gelände, Geraldine löst ihn dann mittags ab, wenn sie von der Schule kommt. Ihre Zwillingsschwester Elicet ist ein Down-Kind und geht hier zur Schule. Alberto, der Vater, werkelt in der Zeit, in der er nicht arbeiten geht an allen Ecken und Enden herum oder schneidet Hecken. Rosa sieht man nur arbeiten. Neben der Arbeit hier macht sie Eis und kocht manchmal die Nacht durch Tamales um sie zu verkaufen, wäscht Berge von Wäsche (auch unsere, wenn wir mal wieder zu faul waren) und kocht auch noch unglaublich leckeres Essen, was immer so viel ist, dass uns der Rest noch gut fürs Abendessen reicht. Schon morgens beim Arbeiten, wenn ab 11 der Magen knurrt freuen wir uns auf die Leckereien, die Rosa uns wieder zubereitet. Täglich wird gefegt, gewischt, Klos geputzt, Mülleimer geleert und die Pflanzen gegossen, die hier wirklich eine gute Pflege erhalten. Sonntag ist großer Putztag, was auch immer eingehalten wird, sogar der Geburtstag der Zwillinge wurde auf Samstag vorverlegt, weil Sonntag Putztag ist. Das war ein sehr lustiges Fest. Wir haben im Garten Luftballons aufgehängt und den Vormittag vorbereitet. Da es auch mein Geburtstag war, hatten wir 2 riesige, extrem süße Torten, an denen wir noch 3 Tage gegessen haben. Auch sind sie sonst sehr freundlich und hilfsbereit, haben immer ein kleines Gespräch parat und freuen sich wenn man von einer Tour zurück kommt. Selbst nachts, wenn wir um 2 oder 3 von der Disko heimkommen und sie extra aufstehen müssen um uns reinzulassen, lächeln sie und wünschen eine gute Nacht.
Auch können sie nie als Familie komplett zu einem Fest gehen, weil ja immer jemand auf dem Gelände sein muss, so sind sie immer in Schichten auf Familienfeste gegangen.
Wir haben viel erlebt und eine völlig andere Lebensweise und Mentalität kennen gelernt. Vom Centro aus konnten wir auch gut Ausflüge zu Zielen in der Umgebung machen und haben so auch etwas vom Leben um Lima herum mitbekommen. Durch den Kontakt zu Eltern und anderen Familien konnten wir direkt den Alltag der Leute sehen, die den ganzen Tag hart arbeiten, um ihre große Familie zu ernähren und teilweise froh waren, die dreiviertel Stunde der Therapie zu nutzen, um ein bisschen auf dem Stuhl zu dösen. Trotz allem bekommt man auf die Frage “Wie geht es?” immer die Antwort “Gut”. Viele holen sich ihre Kraft auch aus dem Glauben und inzwischen hat sich auch eine kleine Gruppe Eltern gefunden, die hier im Hof zusammen Bibelstellen liest. Es ist erstaunlich zu sehen, was bei manchen Leuten für Hoffnung aufkommt, wenn sie etwas wie ihren Glauben haben. Sie gehen ihren schweren Alltag mit viel mehr Zuversicht und Freude an. Wir haben in den 3 Monaten hier im Centro viel gelernt und erlebt. Gutes und Schlechtes erlebt und gesehen; ein sehr eindrücklicher Teil unseres Lebens, den wir nicht vergessen werden.

Christine Thomsch und Julia Heiduck

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