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25.Dezember 2009

1.ter Bericht von Christine Golz

Meine Zeit im Centro VIDA NUEVA vergeht wie im Flug - einerseits ist alles aufregend und schnell, gleichzeitig aber auch entspannt und unbeschwert. Schon sind 3 Wochen vorbei, in denen so viel passiert ist und ich die unterschiedlichsten Eindrücke und Erlebnisse kaum begreifen kann. Nach 3 Wochen Sprachkurs in Cuzco habe ich mich sehr gefreut hier in Lima anzukommen und mein vorerst neues Zuhause kennenzulernen. Durch den herzlichen Empfang von den beiden Volontären Sandro Castellana und Gésine Coutandin habe ich mich vom ersten Moment an sehr wohl gefühlt und war positiv überrascht von unserem gemütlichen Zimmer, der Pflanzenvielfalt und der Ruhe im Centro. Diese ist hier in Lima besonders viel Wert, im Vergleich zum Lärm und Schmutz der restlichen Stadt. Dies trügt jedoch meine Begeisterung für Lima nicht. Dank Sandro und Gésine konnte ich schnell verschiedenste Ecken Limas und Umgebung kennenlernen und bin durchweg fasziniert von der Vielfalt der Eindrücke die hier auf mich wirken. Vor allem Wege, abseits der normalen “Touripfade” wecken mein Interesse und es ist sehr spannend mehr oder weniger gefährliche Märkte, Viertel und Strände mit den öffentlichen Bussen zu erkunden. In Santa Clara fühle ich mich inzwischen schon richtig heimisch und freue mich über das rege Interesse der Einheimischen und ihrer Herzlichkeit fremden gegenüber – genauso ärgerlich und frustrierend ist jedoch, wenn man falsche Auskünfte, Angaben oder Preise bekommt. Das Wetter wird immer besser und ich freue mich über den zweiten Sommer für mich in diesem Jahr, auch wenn dadurch jegliche Weihnachtsstimmung verfliegt. Trotzdem ist Weihnachten hier allgegenwärtig, in den Supermärkten dudelt kitschige Musik und blinken bunte Lichter, die Peruaner dekorieren mit Schneemännern, auch wenn es momentan häufig 28°C sind. Auch in der Schule wurden Weihnachtsvorbereitungen getroffen und heute war der letzte Schultag vor den Sommerferien, dementsprechend macht sich Aufregung und Vorfreude bei allen bemerkbar. In den letzten Wochen haben Sandro Castellana (Volontär) und ich mit den verschiedenen Klassen Weihnachtslieder mit Instrumenten und Gesang eingeübt, die morgen von allen gemeinsam für die Eltern und Kinder vorgetragen werden sollen. Alle Kinder haben sich von Woche zu Woche hörbar gesteigert und haben große Freude daran, viele haben ein ausgesprochen gutes Rhythmusgefühl und ich habe mir vorgenommen auch weiterhin in dieser Richtung ein Angebot zu machen. Außerdem habe ich mit der Klasse von Sra. Elsa (Nivel Inicial) mit Jorli, Juan, Richard, Daniel, Doris, Denise und Neile gearbeitet und dann während des Unterrichts meist gezielt eines der Kinder angeleitet und intensiv mit diesem zusammengearbeitet, wir haben viel gebastelt und Plätzchen gebacken. Ansonsten war der Anfang in der Schule für mich etwas schwierig, da vor mir keine Heilerziehungspflegerin hier gearbeitet hat, gab es auch keinen klaren Aufgabenbereich und keine Vorerfahrungen. Nach 2 Wochen hatte ich dann trotzdem einen Überblick und meinen Arbeitsbereich gefunden und bin nun fast etwas enttäuscht, dass jetzt, wo ich weiß wo ich gebraucht werde, die Ferien beginnen und sich alles wieder ändert. Grundsätzlich ist es mir wichtig, den Kindern und Jugendlichen vor allem Alltagsfähigkeiten zu vermitteln, ihre sozialen Kompetenzen zu fördern und sie bei ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen. Beispielsweise kochen wir einmal wöchentlich mit Kindern verschiedener Klassen und wollen damit ganzheitlich verschiedene Fähigkeiten fördern. Angefangen mit der Arbeitsplanung und dem gemeinsamen Schreiben des Rezepts, einem Einkauf auf dem Markt (die Kinder lernen mit Geld umzugehen, gezielt Nachzufragen und Preise zu vergleichen) und der Durchführung verschiedener Tätigkeiten in der Küche bis zum gemeinsamen Essen und Aufräumen. Ebenso lernen die Schüler als Gruppe zusammen zu arbeiten und von den Stärken jedes Einzelnen zu profitieren. Die Zusammenarbeit funktioniert trotz -oder gerade wegen- der unterschiedlichen Alters -, und Entwicklungsstufen erstaunlich gut und es ist schön zu sehen, wie einzelne Kinder außerhalb ihrer Klasse aufleben und mit Stolz und Freude ihren Teil beitragen. An 2 Tagen in der Woche habe ich mit Angelika Bengel (Volontärin), die die letzten 4 Monate ihr Praktikum für ihr Studium als Integrative Heilpädagogin hier gemacht hat, ihr Projekt fortgesetzt und hoffe dies auch im Neuen Schuljahr fortführen zu können. Sie hatte mit den Jugendlichen getrennte Gruppen für Mädchen und Jungen gemacht in denen aktuelle, altersrelevante und geschlechtsspezifische Themen behandelt wurden. Beispielsweise über Zukunftsvorstellungen, Ängste und Fragen, die dann mit verschiedenen Methoden erarbeitet und reflektiert wurden. Erst während dem Projekt wurde uns klar, wie wichtig und aktuell diese Themen sind, als wir zum Beispiel Rollenspiele zum Thema “Nein-Sagen in gefährlichen Situationen” oder “Umgang mit Streit, Neid und Freundschaft” gemacht haben war die anfängliche Unsicherheit vieler Jugendlicher erschreckend. Um so erfolgreicher jedoch, dass alle nach anfänglicher Scheu tolle Ideen und Lösungsmöglichkeiten hatten und man auch im Alltag beobachten kann, dass die Erkenntnisse angewendet werden. Lernmethoden wie Rollenspiele, Reflektieren oder Teamarbeit werden von den Lehrern nur weniger vermittelt und alle müssen sich langsam an diese anderen Arbeitsweisen gewöhnen, die meiner Meinung nach für die berufliche und persönliche Zukunft der Jugendlichen unabdingbar sind. Genau darum geht es auch in dem Projekt das ich gemeinsam mit Sandro und dem festangestellten Ergotherapeuten 2x wöchentlich mache. Hier sollen verschieden Handwerke wie z. B Gartenarbeit und Töpfern in Form von Workshops vorgestellt werden und die Jugendlichen sollen Fähigkeiten entwickeln, wie z.B. sich für eine Aktivität entscheiden und ein Arbeit mit Motivation über einen längeren Zeitraum konsequent durchführen. Hierbei zählt vor allem der Prozess, die unterschiedlichen Fähigkeiten die während der Arbeit erlernt werden (Motorische, Kognitive und Psychosoziale) und die kreative Arbeit. Wichtig ist nicht das Endergebnis, sondern die vielen kleine Erfolgserlebnisse auf dem Weg dorthin. Dieses Projekt wird auch in den Sommermonaten als Ferienprogramm weiter stattfinden und ich bin gespannt was wir gemeinsam erarbeiten werden. Ebenfalls werden wir Volontäre in den Ferien Therapien und andere Gruppenprojekte anbieten, die wir eigenständig planen und durchführen. Ich freue mich auf die kommende Zeit, vor allem über die Möglichkeit so selbständig und frei hier arbeiten zu können und meine Fähigkeiten sinnvoll einsetzten zu können und hoffe das alle Kinder davon profitieren werden.
Ich hoffe, dass dieser Bericht einen Einblick in meine Arbeit hier im Centro geben kann.

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