Vida Nueva Logo

Aktuelles

Berichte

07.Februar 2010

1. Bericht von Johanna Wagner

Zeit- und sorglos...
...aber dafür voll mit neuen Erfahrungen: mein Leben im Centro.

Mittlerweile bin ich seit sieben Wochen in Lima und habe mich sehr gut eingelebt. In den vergangenen Wochen konnte ich schon viel von Land und Leuten sehen, die Kultur und Sprache kennenlernen und viele Kinder in mein Herz schließen.

Die erste Woche nutzte ich dazu das Centro, die Kinder und Mitarbeiter kennen zu lernen, was mir auf Grund der anderen Volontäre sehr leicht gemacht wurde.
Da sich vor mir keine andere Physiotherapeutin im Centro befand, kamen zunächst auch keine Kinder von extern um eine Therapie zu erhalten und ich hatte die Möglichkeit den normalen Schulalltag mitzuerleben.
So konnte ich langsam in meinem neuen Leben ankommen, welches ich vom ersten Moment an als sehr spannend empfand, da ich zuvor noch nie über längere Zeit mit Kindern mit Behinderungen zusammengearbeitet habe.
Gerade deshalb habe ich in den ersten Tagen den Weg gesucht, der in die Welt ihrer Gedanken und Gefühle führt, eine Welt, die ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte.
Ich dachte, ich müsste es schaffen, die Kinder zu verstehen, doch mittlerweile denke ich, dass es ausreichend ist, Vertrauen und damit einen Weg zu ihnen zu finden.

So schwer es mir in den ersten Tagen gefallen ist, mich auf dieses Neue, Unbekannte Welt einzulassen, so sehr hat es gleichzeitig auch einen großen Reiz in mir hervorgerufen, es kennen zu lernen.

Auch nach sieben Wochen empfinde ich das Centro oft als eine andere Welt.
Eine zeit- und sorglose Welt, in der alle zusammen und doch jeder für sich allein lebt, in der man sich nah und doch irgendwie fern ist.
Das anfänglich vielleicht distanzierte Gefühl, das ich beim “Anderssein” der Kinder empfand, ist der Faszination gewichen.
Die Kinder sind zwar anders, aber dieses Anderssein wirkt auf mich durch das Miterleben der letzten Wochen vollkommen verändert.
Sie wirkt auf den ersten, kurzen Blick vielleicht schwermütig, aber sobald man Teil von ihr ist, leicht und unbeschwert.
In jedem Fall und zu jeder Zeit eigen und auf eine besondere Art anders.

Die Kinder kommen, wenn man sie bringt und gehen, wenn sie wieder abgeholt werden.
Viele leben, ohne zu wissen, wie viel Uhr, welcher Tag, welches Jahr gerade ist und viele wissen nicht, wie alt sie sind.
Ich erkläre die einfachsten Dinge manchmal drei-, vier- oder fünf Mal und schaue danach noch in dieselben leeren Augen wie zuvor.
Doch manchmal wirken sie auf einmal erfüllt und ich frage mich, was in ihrem Inneren vorgeht.
Was sie denken, empfinden, wahrnehmen und hoffen.
Und wünsche mir, sie könnten sich ausdrücken und es mir mitteilen.

Jedes Kind ist anders und zu jedem Kind, zu jeder kleinen Welt führt ein anderer Weg, den es zu finden gilt.
Doch das Faszinierende ist, dass es trotz dieser vielen kleinen eigenen Welten, in denen die Kinder für sich leben, ein Miteinander gibt.
Oft ein liebevolleres Miteinander als bei gleichaltrigen "gesunden" Kindern.
Jeder ist willkommen, angenommen und geliebt, da es kein "Richtig" oder "Falsch" gibt.
Keiner möchte scheinen, sondern jeder ist, weil er sein darf.
Das fühlt sich toll an, weil es außerhalb des Centros oft nicht so ist.
Und dies wirkt auch auf mich.
Beruhigend, aufrichtig und unbekümmert.

Genau deshalb macht es mir Spaß nicht nur in Einzeltherapie als Physiotherapeutin zu arbeiten, sondern auch Gruppenstunden zu leiten, was möglich ist, da zur Zeit Sommerferien sind und nur ein paar Kinder, jedoch keine peruanischen Lehrerinnen in das Centro kommen.
D.h., dass wir Volontäre in diesen fünf Wochen sowohl Physio,- und Ergotherapie, als auch Gruppenbetreuungen durchführen.

Gerade in den Einzeltherapien musste ich zu Beginn etwas enttäuscht feststellen, dass ich meinen eigenen Erwartungen leider nicht gerecht geworden bin.
Es ist eine größere Herausforderung, als ich dachte, die Therapie sinnvoll zu gestalten, da viele Kinder noch nicht verstehen, warum und dass die Therapie wichtig für sie ist.
Hinzu kommt, dass bei einigen Kindern nur wenig über das Krankheitsbild bekannt ist und ich erst im Herbst meine Ausbildung beendet habe, sodass mir deshalb der nötige Erfahrungsschatz an kreativen Ideen für eine spezifische Behandlung fehlte.
Doch mit jeder Behandlung, fassten die Kinder mehr Vertrauen zu mir und ich zu meinen Behandlungen, sodass ich das Gefühl habe, mit meinen Therapien etwas verbessert und mit meinem Dasein Freude bereitet zu haben.

In den Gruppenstunden haben wir mit den Kindern zum Beispiel T-Shirts bedruckt und Ketten gebastelt, die in Deutschland verkauft werden sollen. Außerdem hat sich jedes Kind ein eigenes "mis vacaciones-buch" gebastelt, was selbst gemalte Bilder und Fotos von ihnen beinhaltet.

Ich freue mich auf die nächste Zeit mit den Kindern und darauf, noch weiter in meinen Aufgaben wachsen zu können.

___________________________________________________________________________

... mehr Informationen oder Beantwortung von Fragen oder Anregungen
erhalten sie über < Email >

Nach oben