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26.April 2010

Abschlussbericht von Steffi Weißer

Zeit zu gehen

Meine Zeit hier im Centro naehert sich in grossen Schritten nun dem Ende und ich will nocheinmal etwas davon festhalten, wo alles noch sehr präsent ist...
Immer wieder staune ich wie schnell die Tage hier vergehen...so haben wir schon Ende April und ich bin nun vier Monate hier...

Ich habe mich entschieden schon früeher als ursprünglich geplant im Juli, das Centro Ende April zu verlassen. Mir fiel diese Entscheidung wahrlich nicht leicht und mir tut leid, dass sie so nicht abgesprochen war. Auch dass ich "meine Therapiekinder" so bald schon verlasse...
Dennoch...: Mir fehlt einfach sehr ein Ausgleich hier in meiner freien Zeit. Ich vermisse die Möglichkeit in der Natur zu sein, spazieren zu gehen und fühle mich manchmal regelrecht gehetzt von Lärm und Verkehr, suche die Ruhe... - Ruhe, die ich in der Grossstadt von Lima kaum finden kann... So gross und unüberschaubar diese Stadt mit ihren krassen Gegensätzen, wo Arm und Reich Tür an Tür leben und die umgeben ist vom steten Tosen auf den Strassen. Ich fühle mich in dieser Stadt einfach etwas verloren...
Mag' sein, dass es sich für den Ein oder Anderen banal anhören mag', fuer mich macht diese Zeit der Ruhe und in der Natur zu sein einen wichtigen Teil aus.
Hinzu kam noch das Wissen, dass auch Tine, Sandro und Johanna - die anderen Volontäre mit denen ich hier eine gute Zeit teilen durfte, Ende April gehen werden und mit ihnen fehlte ein weiterer wichtiger Teil, bliebe ich allein zurueck...

Ich möchte aber sagen, dass ich das Centro immer als eine Oase in der Hektik Limas empfand - grün und ruhig - ein Ort, an dem ich mich stets sicher und wohl fühlte! Und kam ich von einem Besuch aus der Stadt oder einer Reise zurück war es stets wie "nach Hause kommen". Auch bei Marcela und Marlene fand' ich stets ein offenes Ohr und ihnen beiden danke ich an dieser Stelle besonders, dass sie mir auch in dieser schwierigen Situation mit Verständniss begegneten und mir diesen Freiraum einräumten.

Neben all dem, nun zu dem, was wirklich wichtig ist und meine Zeit hier sehr prägte... den Kids!
Ich hätte Stunden damit zubringen können ihnen einfach nur zuzusehen. Jeder ist auf seine Weise so besonders, besonders da. Sie sind sehr Echt in ihrem Dasein und ich schätze die Natürlichkeit und Unvoreingenommenheit mit der sie einem begegnen. In Begleitung ihrer steten Freude kommt keine Traurigkeit auf und spüre ich, dass wir alle fröhlich sein können!

Wie in meinem ersten Bericht schon geschrieben, waren in den ersten Wochen meiner Zeit hier noch Ferien. So kamen weniger Kinder als gewöhnlich und waren keine Lehrer vor Ort. Für mich war diese Anfangszeit optimal um mich einzufinden und es ermöglichte mir einen intensiveren Kontakt zu den Kindern aufzubauen, die ich nicht durch die Physiotherapie kennengelernt haette. Es war sehr abwechslungsreich, da immer auch noch externe Kinder direkt zur Physiotherapie kamen. Mit den “Ferienkids” erstellten wir ein kleines Programm. Es entstanden so gute Dinge mit ihnen. Tage des gemeinsamen spielens und singes, bastelns und kochens - mal tobend im Garten und wieder ruhig und konzentriert bei Dingen wie dem herstellen von Perlenketten, wo Feingefühl und Konzentration gefragt war. Schön und spannend, ihre Entwicklung zu sehen, zu sehen wie sie lernten und wie auch wir stets von ihnen lernen konnten. Spannend diese Zeit mit ihnen und in keinem Moment kam Langeweile auf.
Was die Therapie anbelangt, so musste ich mich erst einfinden. In vielen Dingen einfach noch unsicher, waren schliesslich Umgebung wie Sprache noch Neuland fuer mich. Schwierig auch, da viele Kinder noch nicht die Wichtigkeit einer Therapie sehen, teils der Respekt fehlt und Therapie neben dem spielerischen Herangehen eben immer auch Arbeit bedeutet. All dies Dinge, die jedoch zu einem Neuanfang, einer neuen Erfahrung gehoeren. Für mich war diese “Ferienzeit” sehr schön, Zeit eben, die in einem Schulalltag schnell zu kurz kommt.

Anfang März waren dann für alle Volontäre Ferien und machte ich mich auf, das Land reisend weiter zu erkunden. Ein Land, welches mir mit seiner Freundlichkeit und Schönheit begegnet und welches bereits einen festen Platz in meinem Herzen hat.

Zurück im Centro begann ich nun, auch den Schulalltag sowie die Lehrer kennenzulernen. Johanna und ich überlegten, für welche Kinder der Schule Physiotherapie sinnvoll sein koennte, stellten Gruppen zusammen die wir je nach Anforderung und Alter wählten und behandelten weiter die von Extern kommenden Kinder.
Sehr schade, dass dies in den letzten Wochen nur noch drei Kinder: Renzo, Azumi und Viktoria waren, die regelmässig kamen. Gerade für sie ist eine Therpie oft so wichtig, brauchen auch sie Förderung und Hilfe und ich konnte in dem Zeitraum von vier Monaten so, eine gute Beziehung zu ihnen aufbauen. Leider wissen viele Eltern nicht immer um die Wichtigkeit einer Therapie oder sind unzuverlässig, was ein regelmässiges Kommen anbelangt.
Aus der Schule waren es hauptsächlich Viktoria, Josué und Diego die wir einzeln behandelten, mit den anderen Kindern arbeiteten wird Gruppenweise und spielerisch meist im Garten.
Die Kinder sind mir alle sehr ans Herz gewachsen und ich bin nun sehr froh, dass ein neuer Physiotherapeut die Therapie weiterführen wird, wenn wir das Centro verlassen...

Abgesehen von der Therapie bot sich mir auch die Möglichkeit in die Klassen zu gehen, mitzuhelfen, mitzuschauen, einfach nur dabei zu sein. Auch das Montagmorgendliche Fahnenhissen sowie die alltägliche Pause im Garten, waren Momente in denen alle versammelt sind...

So vergehen meine letzten Tage (viel zu schnell) und ich bereite mich auch innerlich auf meinen Abschied vor. Fest steht, dass ich das Centro vermissen werde, war es einige Zeit mein Zuhause hier und ja, wird mir auch etwas von dieser grossen Stadt fehlen, die neben all dem Lärm und der Unruhe durchaus ihre liebevollen Seiten hat: die Fahrt in den chaotischen Minibussen, die Strassen voller Musik, wie die farbenfrohen Märkte und das Lächeln in den Gesichtern taucht ein “Gringo” auf ;)...

So gehe ich, mit einem lachendem wie einem weinenden Auge – danke für die Zeit, die ich hier sein durfte, danke speziell Marcela, die stets ein offenes Ohr für Alles hatte, Wilbert dem Hausmeister der diesen Garten in ein Paradies verwandelt für und ich hoffe fest, weiter in gutem Kontakt mit dem Centro zu bleiben.
Spannend und bereichernd meine Zeit und Zeit auch von der ich keine Minute bereue, noch einen Moment missen möchte.

Ich will noch einige Zeit weiter in diesem Land verweilen und bin dankbar fuer meinen Weg hier, wohin er noch führen mag...

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