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27.April 2010

Abschlussbericht von Johanna Wagner

Liebe Marlene, lieber Dieter,

ich kann es kaum glauben, dass es nun schon an der Zeit ist, meinen Abschlussbericht an euch zu verfassen, was bedeutet, dass ich in ein paar Tagen Lima und somit das Centro verlassen werde.

Die Zeit verging wie im Flug, es kommt mir vor, als sei ich gestern erst angekommen.
Trotzdem habe ich in meinen letzten viereinhalb Monaten mehr erlebt, als eigentlich in diese Zeit hinein passt.

Fange ich mal mit dem an, weswegen ich hier bin:
mit meiner Arbeit im Centro VIDA NUEVA:
Wie schon geschrieben haben wir in den Ferien viele Gruppenstunden mit den Kindern gemacht, gebastelt, T-shirts gestaltet, ein Ferientagebuch mit eigenen Bildern und Fotos entworfen, gesungen und Spiele gespielt.
Diese Zeit war sehr erfüllend aber gleichzeitig eine grosse Herausforderung, da sie viel Geduld und Ruhe von uns forderte, die aber mit unzählig vielen kleinen wunderschönen Momenten immer wieder belohnt wurde.
Abgerundet wurde unser Ferienprogramm durch unseren letzten Tag, an dem wir eine "Wasserrutschbahn" im Garten mit Plastikfolie und Wasser entstehen lassen haben und abschliessend zusammen mit den Kindern auf unsere fünf gemeinsamen Wochen zurückgeschaut haben.
In diese fröhlichen, ausgelassenen Gesichter zu schauen und sie mit etwas so "Einfachem" derart begeistern zu können, war wirklich schön zu sehen.
Auch zu bemerken, dass unsere Arbeit Früchte getragen hat, indem die Kinder beim "Rückblick" aufgezählt haben, was wir alles gemacht haben und die gestalteten Dinge jedes Einzelnen der Gruppe vorgestellt und sie dafür gelobt haben, haben unser Ferienprogramm abgerundet und unvergesslich werden lassen.

Es folgten einige Wochen, in denen ich Perú weiter kennen lernen durfte und zuletzt nocheinmal fünf Wochen im Centro.
In diesen fünf Wochen durfte ich nun endlich den Schultag des Centro so kennenlernen, wie er sich Tag fuer Tag abspielt.
Dieser beginnt jeden Montagmorgen mit allen Schülern gemeinsam.
Der Begrüßung von Schülern, Lehrern und Volontären folgen Gebet, das Singen der peruanischen Nationalhymne, sowie das "Hissen" der peruanischen und deutschen Flagge, bevor die Kinder in ihre einzelnen Klassen gehen.
Dann teilen auch wir, die vier Volontäre, die zurzeit im Centro arbeiten, uns auf.

Für Steffi und mich heisst das Durchführen von physiotherapeutische Behandlungen von Kindern, die von extern kommen, sowie Kindern der Schule.
Leider kommen aktuell nur drei Kinder von extern, was ich sehr schade finde, da es oft gerade diese Kinder sind, die wenig gefördert werden und bei denen eine Therapie deshalb umso sinnvoller wäre.
Gerade auch, weil es in unserer "Ferienzeit" deutlich mehr Kinder waren, die von ihren Eltern gebracht wurden, bei denen man erste Therapiefortschritte erkennen konnte und wir eine weitere Therapie für sehr sinnvoll halten würden.
Sowohl für die Kinder, als auch für uns Therapeuten, um Erfahrungen sammeln zu können in Bezug auf die Behandlung von Kindern mit Behinderungen und deren entsprechenden Krankheitsbildern. Aber auch um Kultur und Mentalität besser kennen zu lernen, da bei diesen Behandlungen die Eltern der Kinder oft dabei sind.
Deshalb freue ich mich sehr, dass nun ein sehr guter peruanischer Phyisotherapeut gefunden wurde, der die Therapien fortsetzen wird, wenn Steffi und ich das Centro verlassen haben und somit mit der Aussicht auf eine kontinuierliche Therapie auch bald wieder vermehrt externe Kinder kommen können.

Dafuer haben wir mehr Zeit fuer die Kinder der Schule und bieten zusätzlich Gruppenstunden fuer Kinder auf etwa gleichem “Niveau” an.
Dabei geht es mir hauptsächlich darum, dass die Kinder lernen sich an Regeln zu halten, Gemeinschaft erlernen und ihr motorischen Fähigkeiten verbessern, da sie oft viel mehr können würden, wenn sie auch zu Hause eine bessere Förderung erhalten würden.
Oft fallen Dinge wie Fangen, Werfen und rhythmisches Laufen schwer, weil sie im Kleinkindalter, in dem das Lernen koordinativer Fähigkeiten am leichtesten fällt, in zu geringem Masse gefördert wurden.
Gerade in diesem Bereich konnte man auch schnell Fortschritte erkennen. Regeln wurden von Mal zu Mal besser verstanden und somit haben auch den Kindern die Gruppenstunden immer mehr Spass gemacht.
Ausserdem war danach die Aufnahmefähigkeit im Unterricht viel grösser, weshalb ich mir wünschen würde, dass eine solche Bewegungsförderung auch weiterhin stattfinden würde.

Zusätzlich habe ich immer einmal pro Woche die Klasse der Ältesten von Elsa und Liz mit betreut, um auch einen Einblick in den Unterricht zu erhalten, Kleingruppen zu führen und eine noch persölichere Beziehung zu den Kindern aufzubauen.

Alle Teilbereiche meiner Arbeit, mit allen Personen die ich durch sie kennengelernt habe, sind in mein Herz gewandert und werden dort für immer einen festen Platz haben, sodass sie unvergesslich bleiben!

Es war eine unbeschreibliche Erfahrung so verschiedene Einblicke in die Welt des Centros, der Kinder, der Kultur mit ihren Menschen und deren Mentalität zu bekommen, die kein Tourist, der nur für kurze Zeit im Land ist, je machen kann.
Ich habe das Gefühl mit der Zeit ein Teil von diesem Land geworden zu sein und verstanden, warum es manche Unterschiede gibt, vor denen ich in meinen ersten Wochen vielleicht ein bisschen erschrocken bin.
Man lernt das Denken der Menschen kennen, kann Ansichten besser nachvollziehen, wofür nicht zuletzt die Sprache einen wichtigen Schlüssel darstellt.

Aber gerade weil in meiner Zeit persönliche Beziehungen entstanden sind, besonders zu Lehrern, mit denen man täglich zusammenarbeitet, möchte ich an dieser Stelle auch gerne sagen, dass ... gerade diese entstehenden Freundschaften Brücken bauen zwischen Kulturen und Ländern, indem sie erklären und aufklären und dennoch zeigen, dass wir alle gleich sind, auch wenn wir auf den ersten Blick scheinbar so unterschiedlich wirken, was immer noch die vielen unzähligen erstaunten Blicke zeigen, wenn wir uns durch das "untouristische Lima" bewegen.

...

Nun noch kurz zu dem anderen Teil, der mich nicht weniger beeindruckt und bereichert hat:
dem Reisen.
Zuerst möchte ich mich nocheinmal bedanken, dass ihr mir ermöglicht habt, dass mein Vater und mein Bruder mich besuchen durften und ich die Möglichkeit hatte, mit ihnen zusammen Perú weiter kennen zu lernen und ihnen das zu erklären, was mich meine ersten Monate bereits gelehrt haben.
Denn die Zeit mit ihnen zusammen war für mich etwas ganz Besonderes, wobei das Land mit seiner unglaublichen Vielfältigkeit nicht aufgehört hat uns zu begeistern und uns immer wieder seine vielen neuen Gesichter gezeigt hat: Küste, Wüste, Sierra, Selva, Historik, Lagunen, Seen, Menschen, die ihre Traditionen leben, die Vielfalt an Früchten, Gemüse, Gerichten und nicht zuletzt die Metropole Lima mit einem ganz eigenem Flair.
Ein Flair, der mit Sicherheit mit seinen übermässigen Reizen nicht immer nur angenehm ist, aber dafür umso spannender und interessanter!

Wie ihr nun gelesen habt, hat mich das Land mit allem was dazu gehört, nicht zuletzt meinen eigenen Erfahrungen in seinen Bann gezogen und ich schätze mich sehr glücklich diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen und tiefe Einblicke bekommen zu haben.
Innerlich bin ich noch längst nicht bereit Abschied zu nehmen, da mich die letzten Monate so mit sich gerissen haben, dass ich dabei nicht gemerkt habe, wie die Zeit vergangen ist und es jetzt schon so weit ist Abschied zu nehmen.

Doch auch wenn ich Lima nächsten Freitag (30.04.2010) hinter mir lassen werde, wird es mich in Gedanken und im Herzen mein Leben lang begleiten und ich werde viele Menschen an meinen Erfahrungen durch Erzählen Teil haben lassen.

Umso glücklicher schätze ich mich, dass der Abschied für mich noch nicht gleichzeitig meine Rückkehr nach Deutschland bedeutet, da noch zwei weitere Reisemonate in Südamerika vor mir liegen.
Doch ich weiss, dass mir der Abschied auch in zwei Monaten nicht leichter fallen wird.

Doch dass es so schwer fält Abschied zu nehmen, zeigt mir nur, wie wunderschö die Zeit war und dass läst mich dankbar sein!!

Also liebe Marlene, Marcella und lieber Dieter, habt herzlichen Dank und alle Lesenden, die üerlegen das Centro zu unterstüzen: Packt eure Koffer!

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